Jimmy Deix

Tease Me, Dita!

In MEDIEN on Februar 1, 2008 at 11:12

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Alles Walzer in der Oper. Gestern Nacht fand der Ball der Bälle statt. Doch nahezu die gesamte Fernsehbranche scheiterte an der richtigen Ausprache des Nachnamens der Dita von Teese. Wie provinziell kann Fernsehen eigentlich sein?

von JIMMY DEIX 

Sie kam, sah und ging wieder. Als Stargast des Wiener Opernballs 2008 versetzte die amerikanische Burlesque-Tänzerin Dita von Teese den Operettenstaat nicht nur in Medien-Aufruhr, sie löste auch einige sprachliche Verwirrung aus. Nahezu die gesamte österreichische Fernsehwelt scheiterte an der richtigen Aussprache ihres Nachnamens. Aus Dita von Teese wurde “Dita von Täse”. Der phonetische Schnitzer ließ bereits in der Vorberichterstattung zum jährlichen Höhepunkt der Wiener Ballsaison aufhorchen und wurde schließlich zum Selbstläufer – Heute in Österreich, Bundesland heute, Winterzeit, Zeit im Bild …

Was ist daran so kompliziert? Wie doppelte Vokale im Englischen richtig betont werden, erfährt man bereits im ersten Band von Ann & Pat. Ein doppeltes “e” wird demnach wie ein langgezogenes “i” ausgesprochen, wie beispielsweise auch bei “Breeze” oder “Cheese” (zu deutsch: “Käse”). Dies nur zum Vergleich. Die Briten singen ja auch “God Save The Queen” und nicht “Gwän”.
Auf die Idee, dass der Künstlername Dita von Teese ein Wortspiel beinhalten könnte, nämlich eine Anspielung auf das Wort “Tease”, so wie sich selbiges auch im Fachbegriff Strip-Tease wiederfindet, kam scheinbar niemand.
Schlimm genug, wenn sich Präsentatoren des Aktuellen Dienstes – der “Heiligen Kuh” der ORF-Nachrichtenaufbereitung – diesen Fehler leisten. Dass auch Fachgelehrte populärer Magazine in diesen Fettnapf treten, obgleich sie hauptberuflich über Celebrities berichten, lässt einen stutzig werden. Jede 14jährige Gothic-Lolita aus Meidling hätte die schaumgeborene Varieté-Künstlerin aus dem Martini-Glas kompetenter beim Namen nennen können. Ob der ORF diese Teenager als Publikum halten wird können, wenn sie erst einmal Twens sind?

Nachdem die These von der korrekten Aussprache nach und nach auch den Küniglberg erklommen hatte, sollten halblustige Witzelchen beim Gebührenzahler das kompensieren, wofür es nun zu spät war. Es sei mehr oder weniger egal, wie die Dame nun wirklich heißt, teilte uns ZIB-Sprecher Armin Wolf live auf Sendung schmunzelnd mit. Irrtum! Das ist eben nicht egal, Herr Achim Golf! Allein schon deshalb nicht, weil es bezeichnend für eine Berichterstattung ist, die uns darüber informieren möchte, wie sehr Dita von Teese Mieder und Korsagen schätzt. Wie seltsam. Hat sie nicht erst letzte Woche einen hochdotierten Werbevertrag bei Wonderbra unterschrieben?!

Journos, die den sprachlichen Fauxpas nicht umschiffen konnten, mögen es künftig besser unterlassen, spitzfindige Bemerkungen über Gastgeber und Logenpächter Richard Lugner vom Stapel zu lassen, weil dieser Sarah Ferguson, die Herzogin von York, einst mit “Förtschi” ansprach. Im Ozean der Fettnäpfe sitzen scheinbar alle im selben Boot.

  1. Sicher eine sehr richtige Feststellung, wenn denn der Name als zugegebenermaßen naheliegendes Wortspiel gedacht wäre – ist er aber nicht.
    Nach der offiziellen Version hat madame einfach im Telefonbuch den Namen “von Treese” gefunden, der Playboy hat daraufhin das R vergessen, aus von Treese (einem zweifellos deutschen Namen) wurde von Teese.
    Bevor man lästert sollte man sich informieren. Die erwähnte deutsche Aussprache ist jedenfalls mitnichten falsch.

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