Man muss nicht jede Woche „CSI Miami“ gucken, um zu wissen, dass ein Fingerabdruck auf eine Grußkarte wohl kaum DNA-taugliches Material hinterlassen kann.
von JIMMY DEIX
Anhand des Giftanschlages in Spitz an der Donau zeigt sich einmal mehr, für wie dumm man die Bevölkerung verkaufen will. “Giftanschlag auf Hirtzberger offenbar geklärt“, lautete die Meldung am 28. Februar in den Medien, weil eine sichergestellte DNA-Spur mit dem Tatverdächtigen Helmut Osberger angeblich übereinstimmt. Man muss aber nicht jede Woche „CSI Miami“ gucken, um zu wissen, dass ein Fingerabdruck auf eine Grußkarte unmöglich DNA-taugliches Material hinterlassen kann. Um eine DNA feststellen zu können, wären Hautzellen, Speichel oder Spermien erforderlich. Freilich ist jeder der Gefahr des Irrtums unterlegen und vielleicht hat der mutmaßliche Attentäter Helmut Osberger vor lauter Zorn auf den Bürgermeister auch noch ins Billet hineingespuckt, bevor er es Hannes Hirtzberger zukommen ließ. Vielleicht hat er auch Schuppen in den Haaren und es ist ihm versehentlich eine davon ins ins Billet hineingefallen.
Man sieht jedenfalls, welchen Respekt die neuesten Technologien wie die DNA-Analyse einflößen, was sich einige der Verantwortlichen Kriminalisten und darüber hinaus scheinbar zu Nutze machen wollen. Der mediale Trugschluss scheint in der modernen Begrifflichkeit “Genetischer Fingerabdruck“ zu liegen, wobei das eine (Genetik) mit dem anderen (Fingerabdruck) zwangsläufig nichts zu tun haben muss. Wieso überführt man den Verdächtigen nicht einfach Anhand seines eigentlichen Fingerabdrucks, sofern sich tatsächlich einer auf der Wunschkarte befindet?
Durch die zügige Verhaftung eines Tatverdächtigen entsteht vielmehr der Eindruck, dass nach jüngsten Polizeiskandalen dringend eine Jubelmeldung erforderlich war, jetzt, wo die Niederösterreichischen Landtagswahlen vor der Tür stehen. Dass Landeshauptmann Erwin Pröll der Polizei übereilt zur „Aufklärung“ des Falls gratuliert, mag einem Anflug von Cäsarenwahn zuschreibbar sein, aber die Unschuldsvermutung eines Niederösterreichischen Bürgers zu mißachten, nur um politisches Kleingeld einzukassieren, ist gelinde gesagt eine Sauerei.
Die gestotterten, manchmal sogar gestammelten Pressekonferenzen in der Justizanstalt Krems sind jedanfalls eine Farce. Man braucht keinen Lügendetektor, um zu erkennen, dass uns die Vortragenden einen Schmäh auftischen. Franz Wendler von der Sicherheitsdirektion und Oberst Ernst Schuch vom Landeskriminalamt NÖ sehen offenbar zu viele schlechte Filme, wenn sie denken, sie könnten die Bevölkerung einfach mit Falschinformationen anschmieren. Der verhinderte Bau eines Thermalhotels als Tätermotiv erinnert bestenfalls an den Plot eines Neo-Heimatfilms mit Hansi Hinterseer.
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