Archiv für 2009

Reality Mining

Oktober 1, 2009

citysense-blackberry

JIMMY DEIX über das positive Potenzial des Datenschürfens für soziale Zwecke und über neue, durchaus sinnvolle Geschäftsfelder für die Mobilfunkindustrie.

Die Idee ist brillant und ebenso einfach und vielleicht sogar bahnbrechend für das 21. Jahrhundert. Sandy Pentland – Informatiker am MIT (Massachusetts Institute of Technology) – ist Wegbereiter einer methodischen Theorie, die sich als Alternative zum drohenden Überwachungsstaat erweisen könnte: Reality Mining – eine neue Technologie, die aus der Datenflut Erkenntnisse über menschliches Verhalten gewinnt, um sie für die Gesellschaft nutzbar zu machen. Nicht bloß für Werbezwecke, sondern auch um Regierungskrisen, Pandemien oder Verkehrsstaus vorhersagen zu können. Im Prinzip ist Reality Mining wie Data Mining, also Datenschürfen, dem hier allerdings ein durchaus humanistischer Ansatz zugrunde liegt. Es soll uns befähigen, durch die Analyse digitaler Spuren, die wir täglich im Cyberspace hinterlassen, die Muster menschlichen Daseins besser zu verstehen – in elektronischen Netzwerken, im Stadtverkehr, beim Einkauf oder am Telefon … Denn ist es nicht so, dass unser Handy oft mehr über uns weiß als wir selbst?

Vor zehn Jahren hatte die Hälfte der Menschheit noch nie ein Telefonat getätigt; nur 20 Prozent der Weltbevölkerung hatte regelmäßigen Zugang zum Fernmeldewesen. Heute besitzen vier Milliarden Menschen ein Mobiltelefon – so eine Studie des Weltwirtschaftsforums –, und täglich kommen 700.000 Vertragspartner hinzu. In OECD-Ländern sind Handys um 10 Dollar erhältlich, wodurch nahezu alle Gesellschaftsschichten in Verbindung stehen. Zum ersten Mal ist der Großteil der Menschheit verlinkt, und auch die Dritte Welt hat eine Stimme.

Trotz dieser Zahlen ist die Mobilfunkindustrie ins Straucheln geraten. Das Wachstum ist gebremst, neue Investitionen erfolgen kaum, und die EU drückt die Gebühren (Roaming). Für Sandy Pentland ist ein Mobiltelefon jedoch mehr als nur Sprechapparat oder Abspielgerät für Clips mit singenden Fröschen. Aus der Sicht von Reality Mining sollte jedes einzelne wie ein „sozialer Sensor“ fungieren, wodurch das dichte GSM-Netz zu einem „sensiblen, globalen Nervensystem“ mutiert, aus dem das Sozialverhalten von Bevölkerungsgruppen statistisch lesbar wird. Noch generiert die Mobilfunkbranche 82 Prozent ihrer Einkünfte aus der herkömmlichen Vermittlung von Telefongesprächen. Ein neues Geschäftsfeld stellt Mobilfunkanbietern jedoch rosige Zeiten in Aussicht, nämlich durch den Handel mit Daten ihrer Kunden.

„In wenigen Jahren werden 90 Prozent aller Daten der Welt personenbezogene Daten sein“, schätzt Jeff M. Nick, Vizepräsident und CTO (Chief Technology Officer) bei EMC, dem weltweit führenden Entwickler von Informationsinfrastrukturen. Traut man Firmen wie Sense Networks und Path Intelligence – die ersten kommerziellen Gehversuche von Reality Mining –, würden die Persönlichkeitsrechte der Kunden dabei gänzlich unberührt bleiben. Reality Mining filtert keine Daten über Personen – es schöpft aus dem wirklichen Leben. Für Studien von Kommunikations- und Mobilitätsmuster ist die Identität des Einzelnen nicht relevant. Reality Mining treibt den Datenschutz eher voran, als ihn zu unterminieren. Schon morgen könnte die EU eine Eintragung in die Grundgesetze veranlassen, dass Daten einzig und allein jener Person gehören, von der sie stammen. Sie allein darf entscheiden, ob und wie diese verwendet werden. Pentland spricht von einem „New Deal on Data“.

Von Mobilität zu Allgegenwart
Die Direktive von Werbung, Vertriebsplanung wie auch von Regierungsämtern beruht gegenwärtig auf demografischen Daten. Durch deren Abgleichung mit Ergebnissen des Reality Mining könnten Regierungen weit präziser auf die Bedürfnisse der Bürger eingehen, als es etwa durch Volkszählungen und Meinungsumfragen möglich ist. Reality Mining stellt eine Kapazität für die Sammlung und Auswertung von Daten in einer Breite und Tiefe dar, die zuvor undenkbar war, für eine Vielzahl an Anwendungen. Man könnte feststellen, ob McDonald’s-Kunden auch zu Burger King gehen, aber ebenso Konjunkturrückgänge durchleuchten, Kriterien der Lebensqualität ermessen oder Finanzindexe für verschiedene Regionen entwickeln.

Wie im Großen funktioniert Reality Mining auch im Kleinen, etwa innerhalb von Organisationen. Der CEO einer Firma beruft beispielsweise ein Meeting mit den Abteilungsleitern aus Werbung und Vertrieb ein. Es gibt Mineral und Orangensaft, und die nächsten Stunden ist niemand telefonisch erreichbar. In der Folge gehen E-Mails mit weiterführenden Infos hin und her und das Projekt nimmt seinen Lauf. Reality Mining misst, wer mit wem wann wie oft spricht und wie viele elektronische Nachrichten mit diesem Austausch täglich einhergehen, und kann etwa die Korrelation zwischen Mails und Direktgesprächen grafisch sichtbar machen. Doch herrje, wenn nun erkennbar wird, dass keines der involvierten Departments den Kundenservice informierte, der das Projekt schließlich an der Kundenfront umsetzen soll? Der CEO weiß nun, dass er dem Kundenservice am besten selbst einen Besuch abstattet, um den Mitarbeitern persönlich „Guten Tag“ zu sagen.

Reality Mining erweist sich in diesem Fall als praktisches Instrument zur Steuerung innerbetrieblicher Kommunikation. Die Firmenleitung erkennt, welche Gruppe kreativ ist, welche überfordert und Fehler begeht, und welche Mitarbeiter in einem „Informationsghetto“ leben und von nichts wissen. Die Schließung einer solchen Lücke kann die Produktivität der Abteilung um bis zu 40 Prozent steigern.

Das unerschöpfliche Potenzial von Reality Mining lässt vieles, wofür IT heute genutzt wird, geradezu unbedeutend erscheinen. Das Forschungsmagazin Technology Review reiht es gar unter die „10 aufstrebenden Technologien, die die Welt verändern werden“. Die Hoffnung für die Gesellschaft liegt darin, dass dieses neue, tiefer gehende Verständnis von individuellem Verhalten die Effizienz und Reaktionsfähigkeit von Industrien und Regierungen erhöhen würde. Die Einzelperson könnte eine Welt erfahren, in der sich viele Dinge bequem von selbst erledigen – der Termin für eine Gesundheitsuntersuchung könnte bereits fixiert sein, sobald man beginnt, krank zu werden; der Bus käme, sobald man bei der Haltestelle eintrifft, und bei Großveranstaltungen gäbe es keine Warteschlangen mehr.
Reality Mining weist spielerischen Charakter auf. Und ermunternde Hinweise darauf, dass Technologie auch eine Macht des Guten sein kann, hat unsere Digitalgesellschaft ohnehin mehr als dringend nötig.

Silver-21

Erschienen im IT-Magazin SILVER Nr. 21 zum Thema „Industrie“,
Oktober 2009

Realutopie NWO

Juli 1, 2009

solar maximus

JIMMY DEIX über die Bedeutung der modernen Informationstechnologie als wesentlicher Baustein für die neue Weltregierung.

Die sogenannte Weltregierung ist nicht mehr länger das Hirngespinst einer durchgeknallten Verschwörungstheorie, sondern ein durchaus realpolitisches Ziel der Gegenwart. Nicht nur George Bush, auch Barack Obama beschwört die New World Order (NWO) – ebenso wie Gordon Brown, Nicolas Sarkozy, José Barroso oder Hillary Clinton. Es ist die Inszenierung einer neuen politischen Ideologie, die friedliche Lösungen für globale Probleme schaffen will, die ein Nationalstaat alleine nicht lösen kann: Terrorismus, Finanzkrise, CO2-Emissionen, Wirtschaftskriminalität, ominöse Pandemien.

Um Probleme zu lösen, ist Information erforderlich. Ihre Beschaffung und Verwaltung basiert heute längst auf Technologie – der Informationstechnologie (IT). Sie ist zur festen Größe staatlichen Handelns geworden (E-Government) und steht nun davor, in die Grundgesetze aufgenommen zu werden. Genau genommen hinkt die Politik aber einer Entwicklung hinterher, die von der modernen IT deutlich vorgegeben wurde, denn letztendlich war es die digitale Revolution, der PC und das Internet, die das Phänomen der Globalisierung bewirkten.

Eine entsprechende Infrastruktur wäre natürlich auch für die Organisation einer neuen Weltordnung unerlässlich – für den administrativen Bereich, wie auch für demokratische Prozesse, falls diese überhaupt verwirklichbar sind, denn Kritiker halten die NWO für eine Schimäre, die im besten Fall undurchführbar und im schlechtesten Fall gefährlich ist. Eine Neue Weltregierung käme einer voll entwickelten, digital kontrollierten Gesellschaft gleich, würde eine Aufweichung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker und ihrer Souveränität mit sich bringen und wäre eine von Banken dominierte Plutokratie.

Optimistische Weltföderalisten befürworten hingegen, dass die Stärkung bestehender Netzwerke und die Entwicklung neuer eine aufrichtige, globale Rechtsstaatlichkeit schaffen könnten, ohne zentralisierte globale Institutionen – die World Federalist Association, die Interparlamentarische Union und One World Flag sind nur einige davon.

Marina del Ray ist eine kleine Küstenstadt in Kalifornien. Hier sitzt die Non-Profit-Organisation ICANN, die als Weltmonopol die Vergabe aller Top-Level-Domains und IP-Adressen regelt. Dies betrifft auch die Webpräsenz von Ministerien und Behörden in aller Welt. ICANN verwaltet sozusagen das Internet und ist indirekt der US-Regierung unterstellt. Das Abschalten oder Umleiten bestimmter Top-Level-Domains ist somit kein Problem. Etwa als Druckmittel zur Durchsetzung politischer Ziele. Die Dominanz der USA im Internet stand immer wieder im Zeichen der Kritik.

Die Vereinten Nationen riefen demnach das Internet Governance Forum (IGF) ins Leben, ein Schaumschläger-Komitee, das für „Weltinformationsordnung“ und mehr „Cybersecurity“ sorgen will. Beim letzten „Weltgipfel für die Informationsgesellschaft“ des Forums in Tunis kam es zum Eklat. Sicherheitsleute verprügelten kritische Journalisten. Ihre Fragen waren zu provokant. Es ging um Menschenrechte.

Hinter der Agenda NWO stehen als treibende Kraft die Vereinten Nationen, die G20, der Internationale Währungsfond, die Weltbankgruppe, das Council of Foreign Relations (CFR), die Bilderberger und die Trilaterale Kommission. Die Neue Weltordnung soll Frieden, Sicherheit, Abrüstung und Wohlstand bringen. Eine Reform unserer sozialkapitalistischen Wertegesellschaft ist sie jedoch keine. Schon eher würde sie einen neuen Feudalismus repräsentieren. Eine globale Autokratie einer Elite, die mit dem Zusammenschluss der Nationalbanken der Welt nicht nur das Finanzsystem steuern würde, sondern auch die Politik und die Kultur. Gemeinsam mit dem Internet würde ein Hi-Tech-Babylon entstehen, das kaum mehr auf freier Marktwirtschaft beruht. Und der Verlust von Wettbewerb ist immer ein Einschnitt in die individuelle Freiheit. Auch die Feindbilder der NWO sind bereits klar definiert: Individualismus, Bindung zu Familientraditionen, nationaler Patriotismus und religiöse Dogmas.

Barack Obama ist der erste Präsident der USA, der über eine beinahe diktatorische Macht verfügt. Das liegt nicht an seinen rhetorischen Fähigkeiten, sondern an den höchst antidemokratischen Gesetzen, die sein Vorgänger George Bush in den acht Jahren nach 9/11 verabschiedete – vom USA PATRIOT Act bis zu den besonderen Vollmachten des nationalen Katastrophenschutzes (FEMA).

Kürzlich wurde von Barack Obama die Sicherheit des Internet zur Staatssache erklärt. Er hat angekündigt, einen Sonderbeauftragten für Internetsicherheit ins Weiße Haus zu bestellen. Streng geheime Computernetzwerke des Pentagon waren schon mehrmals gefährlichen Cyberattacken ausgesetzt, was nach Insider-Informationen zur ernsthaften Bedrohung für die nationale Sicherheit werden könnte. Die Bevölkerung der USA befürchtet daher auch stark die Archivierung von Internetsearches und Data-Mining – operative Information, die der Regierung auch zur Entscheidungsfindung dient. Unzählige Firmen, von denen wir noch nie gehört haben, wissen einiges über uns: medical concerns, sexual concerns … was wir auf YouTube schauen, was wir googeln …

Natürlich hat auch die neue Weltregierung Schutzinteressen und muss effiziente Methoden entwickeln, um Cybercrime zu unterbinden und den Cyberwar abwenden zu können. Wie unschwer zu erkennen, ist der totalitäre Globalismus kein Versprechen, sondern eher eine Drohung – und bestenfalls die Travestie einer Demokratie.

Nach der Gründung der Nordamerikanischen Union (USA, MEX, CAN), die anstelle des schwachen Dollar den „Amero“ einführen möchte, wäre weiters mit der endgültigen Ratifizierung der Euro-Charta der nächste Meilenstein in Richtung NWO erreicht.

Silver-20

Erschienen im IT-Magazin SILVER Nr. 20 zum Thema „Trends, Hypes und Blasen“,
Juli 2009

Online reich werden

April 1, 2009

Geld

JIMMY DEIX über schnell und leicht verdientes Geld im Internet – ohne Risiko, Vorkenntnisse und Arbeitsaufwand.

Seinen Namen haben sie sicher schon mal wo gehört. Er ist so ein Typ, der freiwillig Fragebögen ausfüllt und gerne alles von sich preisgibt. Er checkt automatisiert auf Flughäfen ein; bestellt bei Versandhäusern Waren (die er dann selber von der Post abholt) und baut eigenhändig Regale aus schwedischen Möbelhäusern zusammen.

Als ich Freunden und Bekannten erzählte, dass ich mein Geld künftig über das Internet verdienen werde, lachten sie mich aus. Bei mir sei bestimmt eine Schraube locker, dachten sie. Doch ich legte mich ordentlich ins Zeug und als ich ihnen nach nur vier Wochen meine erste Abrechnung zeigte, waren sie völlig baff und fragten: „Wie geht denn das???“
Nachdem sich sämtliche Lebensbereiche völlig an die Digitalisierung angepasst haben, kann heute ein gesundes Einkommen nur durch adäquate Maßnahmen garantiert werden, damit auch in Zukunft all die Dinge leistbar sind, die einem viel bedeuten: Feine Anzüge, rasante Fahrzeuge, Traum-Immobilien, Restaurantbesuche, Urlaube … Jetzt habe ich es endlich geschafft! Nach nur vier Monaten verdiene ich Online mehr als in meiner letzten hauptberuflichen Tätigkeit. Und das Beste an meiner neuen Cash-Methode: Sie ist völlig risikolos und fordert bloß eine halbe Stunde Zeit am Tag. Sollen doch andere frühmorgens über die Tangente rauschen – ich entspanne mich einstweilen am Swimmingpool und rauche dicke Zigarren.

In letzter Zeit werde ich in meinem Bekanntenkreis überaus freundlich und zuvorkommend behandelt. Ich erhalte laufend Einladungen zum Essen und zu schicken Partys. Meine Gastgeber holen ihre besten Weine aus dem Keller und wenn ich in einer Bar nach der Rechnung verlange, erfahre ich, dass mein Campari bereits bezahlt wurde. Dieses Wohlwollen meiner Person gegenüber hat natürlich einen Grund: Man will mich ausfratscheln und mehr über mein ausgefeiltes Geldherstellungssystem erfahren. Zunächst war ich ein wenig befangen, meine lukrative Geschäftsidee preiszugeben, doch da ich kein Unmensch bin und ohnehin ausgesorgt habe, weihe ich auch andere in die goldenen Regeln des Wohlstandes ein. Wir arbeiten weltweit mit einem Team von mehreren tausend Partnern und stehen via Internet, Skype und Telefon täglich in Kontakt. Wir geben uns vertrauliche Insider-Tipps über gigantische Marktlücken im virtuellen Raum. Gegen kleine Unkostenbeiträge erhalten Start-up-Gründer ein sagenumwobenes PDF, in dem die Hebelwirkungen gewinnbringender Web-Mechanismen genau beschrieben sind. Mein Report über die 4-Stunden-Woche und die Prinzipien der finanziellen Freiheit hat das Leben vieler positiv verändert.
Ich verteile Coupons mit begehrten Zugangscodes zu meiner Website. Dort erfahren neue Interessenten mehr über meine Karrierephilosophie: „Träume nicht Dein leben, sondern lebe Deinen Traum“. Kalendersprüche wie diese emotionalisieren einfach jeden. Und ich achte darauf, dass meine Website mit dürftigem Design möglichst uncool und bescheuert aussieht, sodass der topmotivierte Besucher denkt: Was der Trottel kann, das kann ich schon lange.

ABCASHEN MIT METHODE
– BILLIG, DRECKIG UND SCHNELL
Das Internet ist eine Weidefläche für „Cash cows“ die man bloß zu melken braucht. Doch nicht jeder wendet die richtige Profitaktik an. Viele Leute platzen vor Neugier und fragen sich: Verdammt, womit handelt er? Mit Ablaichbürsten für Koi-Fische?! Mit einem speziellen Haarshampoo?! Es ist völlig egal welche Nachfrage ihr Angebot befriedet, solange sie mit einem hochprofitablen Strukturverdienstmodell Einnahmen generieren, wie ich es in meinem 100.000-Euro-DVD-Seminar näher beleuchte.
Wollen auch sie sich beruflich verändern, haben aber keine Ahnung wie? Möchten auch sie von der neuen Orthodoxie marktwirtschaftlichen Treibens profitieren, haben aber noch kein Produkt das sie verkaufen könnten? Kurz: Ihnen fehlt die richtige Strategie um ein Vermögen zu schaffen? Dann sind sie bei mir genau richtig. Da sie es bis hierher geschafft haben, nehme ich an, dass sie ernsthaft interessiert sind. Erfolgreiche Jahre im Web stehen ihnen bevor. Sie sind auf dem besten Weg, ein Online-Multimillionär zu werden, so wie ich, der ihnen die Geheimformel MMF anvertraut (Make Money Fast). Sie schaffen es! Alles was sie brauchen, ist ein Einkommensplan mit messbarem Hochgeschwindigkeitserfolg.

Es gibt viele interessante Ansätze für eine neue Wirtschaft im Internet: Als Referral-Partner bei einem Paidmailer verdienen sie an jedem Werbemail das sie lesen; durch Linkbanner auf ihrer Website kassieren sie mit Affiliate-Netzwerkprogrammen satte Click-Provisionen; als AdSense-Profiteur bei Google kompensieren sie ihre IT-Kosten; mit Besuchertausch-Systemen steigern sie den Bekanntheitsgrad ihrer Website dank Turbo-Traffic – Jeder kann sich im Internet selbstständig machen. Doch Gangsterrap ist anders. Für einen potentiellen Tycoon wie sie, sind das nur Peanuts. Sie haben besseres verdient. Das was sie brauchen, ist ein virales Power-Verkaufs-System in Kombination mit einem funktionstüchtigen Multi-Level-Marketing. Machen sie es richtig. Geld verdienen kann wie guter Sex sein – billig, dreckig und schnell.

Freilich hat mir mein geschäftlicher Erfolg nicht nur zahlreiche Bewunderer eingebracht sondern auch viele kritische Neider. Die Gründe dafür sind klar: Ihre Werbebotschaft kam bisher nie beim Kunden an, während sich meine tausendfach bewährt hat; ihnen fehlt die Information über Multiple Streams of Internet Income, während ich mein Geld quasi im Schlaf verdiene. Es ist so einfach wie es klingt. Nirgendwo gibt es mehr Millionäre als im Internet. Dennoch erscheint das Gesetz der Sieger vielen als unerklärliche Hydra.

Gleichwohl die Online-Branche durch energetisches Geldverdienen mit passioniertem Kommerz milliardenschwer wurde, gibt es Negativisten, die meinen, im Internet gehe es nicht mit rechten Dingen zu und der Boom sei bloß ein Hype. Lassen sie sich keinen Sand in die Augen streuen. Selbst wenn die Preise für Computer noch heuer ins bodenlose fallen werden (Webbooks um 150 Euro), Software durch Open source bald nichts mehr kosten wird und neuerdings nicht mal mehr die Chinesen zur CeBIT fahren – die „Webciety“ treibt ihre Blüten und ist das Herz der Gesellschaft. Ausgerechnet jetzt, wo alle an einer virtuellen Existenz im Internet basteln, faseln diese Miesepeter was von „Internetblase 2.0“ daher?!
Lassen sie sich davon nicht beeinflussen. Man soll nicht alles, was in den Untiefen des Webs zu lesen ist, für bare Münze nehmen. Denken sie positiv. Bezwingen sie ihren inneren Schweinehund und starten sie noch heute ihre Karriere als One-Minute-Millionair.
Wir sehen uns. In der Online-Marketing-Lounge. Da wo die Kassen klingeln. Ca-ching!

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Erschienen im IT-Magazin SILVER Nr. 19 zum Thema „Netzattacke“,
April 2009

Die Gerüchte sind wahr

Januar 1, 2009

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JIMMY DEIX über neue Wegwerf-Computer, „Windows Vienna“ und die besten Fenstertage mit Bill Gates.

„Sch…eibenkleister“, flucht Sunny und wirft seinen Computer aus dem Fenster. Das Resultat einer reinen Affekthandlung in einem unbesonnenen Moment des Irrsinns. Ein totaler Blackout. Wie in Zeitlupe wirbelt das anthrazitfarbene Notebook in den blauen Wolkenhimmel und rotiert mehrmals um die eigene Achse – dazu die anschwellenden Klänge des Donauwalzers … Es ist der letzte Flug der „MS Dos Gericom“, ehe das Ding mit einem fürchterlichen Krach am Asphalt zerschellt. Eine Supernova aus Plastik setzt in Sekundenbruchteilen berstende Chips und splitternde Platinen frei. Dabei hatte Sunny die Kiste erst vor einigen Monaten gekauft – bei irgend einem Lebensmittel-Discounter, um 400 Euro. Seine Ex-Freundin arbeitet dort. So musste er auch nicht anstellen. Jetzt ist das Graffelwerk aber endgültig hin.
Er war in Rage geraten, weil sich gespeicherte Dokumente seiner Arbeit nicht mehr öffnen ließen. Und Sunny nimmt seine Arbeit sehr sehr ernst. Auf billigen Rechnern werden von gewissen Programmen oft nur Testversionen mitgeliefert. Die laufen recht bald ab. Du kriegst deine Files dann nicht mehr auf – auch nicht mit einer älteren Programmversion. Sunny ist einer von diesen Premium-Loser aus Basic Home.

Die aufkeimende Wut hatte sich zunächst in kleinen Schüben bemerkbar gemacht, die immer häufiger auftraten, begleitet von nicht ganz jugendfreien Flüchen. Dann zuckte er völlig aus, was nötig war, um sich Luft zu verschaffen. Sunny würde gerne andrehen, wenn er nur könnte. Aber wenn er redet, hört ihm niemand zu. Weder die Leute beim Kundenservice und seine Ex schon gar nicht. Aus diesem Grund plant er aus dem Hinterhalt des Weinviertels eine gezielte Aktion: Ein Attentat will er aushecken. Etwa auf eine ohnehin geschundene Regalbetreuerin? Nein, auf niemand geringeren als Bill Gates! „Das lasse ich mir nämlich nicht gefallen“, begründet Sunny sein Vorhaben. Bei blankem Terror bekommen wir alle unsere Splitter ab, doch irgendeiner muss schließlich dafür büßen.

Dabei steckt Bill Gates in einer durchaus ähnlichen Situation wie Sunny. Seit kurzem ist auch er gewissermaßen ohne Job. Er arbeitet nicht mehr bei Microsoft. Offiziell war der 27. Juni 2008 sein letzter Arbeitstag. Mit diesem Datum hat sich der Milliardär aus dem operativen Geschäft des Konzerns zurückgezogen. Er überlegt nun, was er mit den exorbitanten Reichtümern seiner Privatstiftung anstellen soll, an karitativem. Schließlich kann Bill nicht all sein Geld in McDonald’s-Aktien investieren. Freunde hat er auch kaum noch – weder bei den Kartellbehörden und schon gar nicht bei der EU-Kommission, die Microsoft seit 15 Jahren regelmäßig verklagt. Laut Forbes Magazine ist er auch nicht länger der reichste Mann der Welt, erstmals seit zehn Jahren, wenn auch nicht derart verarmt wie Sunny.

Sunny geht jetzt öfters mit seinen Hunden spazieren, raus in die freie Natur. Computer hat er ja keinen mehr, an dem er stundenlang hocken könnte. Am nächsten Vormittag telefoniert er mit einer Glaserei in Mistelbach. Das Fenster, durch das er sein Notebook geschleudert hatte, war zur Tatzeit auch noch geschlossen gewesen. Doch vielleicht kann er bald aufatmen. Die Tage von Vista sind gezählt. Wie Insider vermuten, wird das neue Betriebssystem von Microsoft nicht erst Ende dieser Dekade vom Stapel gelassen, sondern bereits 2009. Das soll noch ruhiger laufen. Vielleicht bringt das mehr Stabilität in Sunnys Leben – und mehr Durchblick.
Schon der Name ist eine Verheißung: Der Vista-Nachfolger wird „Windows Vienna“ genannt. Das ist der Codename für Windows 7 während der Entwicklungsperiode. Wieso aber ausgerechnet „Vienna“? Etwa weil dort auch nichts funktioniert?!
Umkehrschlüsse wie diese scheinen zulässig. Immerhin taufte Bill seine Software „Windows“, obwohl er selbst Gates heißt, was ja vielmehr „Tore“ oder „Pforten“ bedeutet und nicht „Fenster“.
Ein Sprecher von Microsoft erklärte aber, man habe sich für „Windows Vienna“ entschieden, weil der Name „die Fantasie anrege“. Die Firma leite Codenamen von Städten ab, „die in der Welt als große Lichtblicke bekannt sind. Orte eben, die jeder sehen und erleben will.“

Bill Gates war bislang vier mal in Wien. Es hat ihm immer ausnehmend gut gefallen. Meist war die Expertenmeinung des ewigen Nerds gefragt – bei hochkarätigen Kongressen oder Round-Table-Gesprächen. Eine Hubschrauber-Landung am Heldenplatz wurde ihm zwar nicht bewilligt, dafür waren die Sicherheitsvorkehrungen enorm, vor allem wegen der Wiener Mehlspeisen. Gates hatte nämlich ausdrücklich anordnen lassen, nur zuckerfreie Getränke und fettarme Kost zu sich zu nehmen. Also kein Apfelstrudel und auch keine Torte, wie damals in Brüssel …

Um Sunny braucht man sich keine Sorgen mehr zu machen. Zwar mutmaßen seine Nachbarn, er sei suizidgefährdet und für einen wie ihn könnte ein Fenster schnell zu einer Tür werden. Seit kurzem lässt er sich aber regelmäßig in der Konditorei seines Heimatdorfes blicken. Neben zwei gammeligen Gaststuben ist es das einzige Lokal in dem elenden Nest, in dem er lebt, wo selbst das Internet keine Prävention für Vereinsamung ist.
Die leuchtenden Vitrinen strotzen vor granuliertem Glück, vor Zucker in Form von Schaumbomben und Esterhazy-Schnitten. Sunny kauft eine Cremetorte im Ganzen. Die spendet Trost. „Wolltest du nicht ein Attentat planen?“ fragen ihn die Dorfleute. „Was willst du mit der riesigen Torte?“. Sunny ist gut im Werfen von Dingen. Er hat ja mit seinem Notebook schon geübt: „Die ist für Bill…“ kontert er mit argwöhnischem Lächeln.

Seht ihr? An Sunny und seinem sonnigen Gemüt kann sich jeder richtiggehend ein Beispiel nehmen.

Silver-18

Erschienen im IT-Magazin SILVER Nr. 18 zum Thema „Upgrade“, Jänner 2009