Banknoten-Falsifikate

by Jimmy Deix

JIMMY DEIX über die älteste virtuelle Realität der Welt und den Schein des Geldes.

Schon mal einen unechten Euro in Händen gehalten? Einen, der unter der Prüflampe nicht ultraviolett leuchtet? Die Wahrscheinlichkeit, eine „Blüte“ untergejubelt zu bekommen, ist gar nicht gering. Im Sinne von Angebot und Nachfrage wird Europa nicht nur mit falschen Zigaretten überschwemmt. Die Shredder der EZB laufen auf Hochtouren.
Wenn auch Sie in ihrem Portemonnaie Konfiszierbarkeiten haben, so ist das kein Grund für moralische Bedenken, denn Sie befinden sich in bester Gesellschaft. 1962 bereicherte Andy Warhol mit seinem Frühwerk 200 One Dollar Bills die Welt. Das Bild ist nichts weiter als die Reproduktion von 200 Banknoten zu je einem Dollar – im Siebdruckverfahren. Genau genommen eine Straftat, denn das Fälschen oder Nachmachen von Banknoten ist bekanntlich streng verboten. Ironischerweise übersteigt der Sammlerwert des Bildes heute den abgebildeten Betrag um ein Hunderttausendfaches. 200 One Dollar Bills wurde 2009 bei Sotheby’s New York um 43,8 Mio. Dollar versteigert. Sie denken, das gehe nicht mit rechten Dingen zu? Nun, echt sind die abgebildeten Geldscheine jedenfalls nicht.

Falsch oder zumindest artifiziell ist hingegen auch der echte Dollar, wenn auch überaus real. Vor 40 Jahren wurde er kurzerhand vom Goldstandard entkoppelt. Die Geldmengensteuerung der globalen Leitwährung wird seither von Zinspolitik und Kreditmärkten bestimmt, nicht aber durch Deckung mit Gold. Und damit ist der Dollar in seiner gegenwärtigen Form verfassungswidrig. In Artikel 1, Paragraph 10 der US Constitution steht festgehalten: „Kein Staat … darf etwas anderes als Gold- oder Silbermünzen zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklären.“ Geld als solches war der Papierdollar demnach nie. Die „Greenbacks“ waren immer nur Zertifikate, die in jedem Bankinstitut gegen echte Silbermünzen getauscht werden konnten. Der Vermerk „Payable to the bearer on demand“ wurde erst 1971 unter Präsident Richard Nixon von den Scheinen entfernt. Der Wahnwitz dabei: 40 Prozent des Welthandels werden in Dollar fakturiert, obwohl dieser keine rechtliche Grundlage besitzt. Experten sehen darin nicht nur den Ursprung der Globalisierung, sondern auch den eigentlichen Auslöser der aktuellen Finanzkrise.
Geld ist die älteste virtuelle Realität der Welt. Ein Glaubenssystem, das zunehmend hinterfragt wird. Ob die Bezeichnung „Schein“ für Banknote damit einhergeht, sei getrost den Sprachforschern überlassen. Man kann es drehen und wenden, wie man will. Zurück bleibt die Moral: Es ist nicht schlecht, es ist nicht schlecht, zwar nur Papier, aber es ist echt.



Erschienen im IT-Magazin SILVER Nr. 26 zum Thema „Geld“,
Jänner 2011