Trial and error

by Jimmy Deix

JIMMY DEIX über das Leben als Spiel – als Methodik zur simultanen Erprobung realer Situationen.

Das Leben bereitet uns manchmal Schwierigkeiten: Konflikte mit Menschen, Rechnungen, kaputte Maschinen, Zeitverlust, rote Ampeln u.v.m. Unsere Aufgabe ist es, sich täglich diesen Herausforderungen zu stellen. Mitunter gleicht unser Dasein einem Dauerzustand permanenter Problemlösung. Diese Komplikationen erfolgreich zu meistern kann sogar der Sinn des Lebens sein.
Im Spiel ist es nicht anders. Es besteht ebenso aus Barrieren und Zielen, die etwa durch Regeln vorgegeben sind. Dazwischen liegen unsere Möglichkeiten und Freiheiten, das Spiel zu gewinnen oder dessen Sinn zu erfüllen. Ziel eines Sports kann z.B. sein, einen Ball über eine Linie zu schlagen, ohne dass er pariert werden kann. Ein Gegner wird jedoch alles unternehmen um uns daran zu hindern dieses Ziel zu erreichen. Kurz: Er schafft uns nur Probleme, er ist lästig und möglicherweise sind wir ihm sogar unterlegen. Doch obwohl man in so einem Spiel ständig Hindernisse zu überwinden hat, ruft es dennoch Freude, Begeisterung und Euphorie hervor.
Gäbe es aber keinen Widersacher, dann hätten wir kein Spiel und demzufolge auch keine Freude. Widrigkeiten sind somit erforderlich für ein Spiel.

Spiel des Lebens – Jump ‘n’ run
Spielerisches Handeln ist ein menschliches Bedürfnis und kann als solches gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Denn Spielintelligenz ist keine Form der Intelligenz sondern Intelligenz in all seinen Formen. Sogar Eisbären und Delphine zeigen ein Spielverhalten. Wir folgen Mustern und Motivationen, erwerben dabei Kompetenzen, verbessern uns und vermeiden Fehler – im emotionalen, sozialen und kognitiven Bereich. Durch spielerische Aktivität sind wir in der Lage, Elemente einer Situation so zu verändern, dass Neues und Unbekanntes entsteht und für scheinbar unlösbare Probleme Lösungen gefunden werden können.

Unsere Gesellschaft ist voll von Konzepten und Verhaltensweisen, die aus reinem Spiel entstanden sind. Sie sind in den Künsten, in Ritualen der Religionen und in der Politik wiedererkennbar und auch die Wissenschaft vertraut bei Untersuchungen auf algorithmische Verfahren wie dem „Trial and error“.
Spezialisierung und Mechanisierung haben jedoch viele dieser Entwicklungen starr und eindimensional werden lassen. Uns bleibt, neue Potentiale zu finden, um diese einengenden Zwänge spielerisch zu umgehen. Denn das Leben ist ernst und doch nur ein Spiel.
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Erschienen im IT-Magazin SILVER Nr. 28 zum Thema „Sport & Spiel“,
Juli 2011