Archiv für die Kategorie ‘MEDIEN’

Genetischer Fingerabdruck

Februar 29, 2008

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Man muss nicht jede Woche „CSI Miami“ gucken, um zu wissen, dass ein Fingerabdruck auf eine Grußkarte wohl kaum DNA-taugliches Material hinterlassen kann.

von JIMMY DEIX 

Anhand des Giftanschlages in Spitz an der Donau zeigt sich einmal mehr, für wie dumm man die Bevölkerung verkaufen will. “Giftanschlag auf Hirtzberger offenbar geklärt“, lautete die Meldung am 28. Februar in den Medien, weil eine sichergestellte DNA-Spur mit dem Tatverdächtigen Helmut Osberger angeblich übereinstimmt. Man muss aber nicht jede Woche „CSI Miami“ gucken, um zu wissen, dass ein Fingerabdruck auf eine Grußkarte unmöglich DNA-taugliches Material hinterlassen kann. Um eine DNA feststellen zu können, wären Hautzellen, Speichel oder Spermien erforderlich. Freilich ist jeder der Gefahr des Irrtums unterlegen und vielleicht hat der mutmaßliche Attentäter Helmut Osberger vor lauter Zorn auf den Bürgermeister auch noch ins Billet hineingespuckt, bevor er es Hannes Hirtzberger zukommen ließ. Vielleicht hat er auch Schuppen in den Haaren und es ist ihm versehentlich eine davon ins ins Billet hineingefallen.

Man sieht jedenfalls, welchen Respekt die neuesten Technologien wie die DNA-Analyse einflößen, was sich einige der Verantwortlichen Kriminalisten und darüber hinaus scheinbar zu Nutze machen wollen. Der mediale Trugschluss scheint in der modernen Begrifflichkeit “Genetischer Fingerabdruck“ zu liegen, wobei das eine (Genetik) mit dem anderen (Fingerabdruck) zwangsläufig nichts zu tun haben muss. Wieso überführt man den Verdächtigen nicht einfach Anhand seines eigentlichen Fingerabdrucks, sofern sich tatsächlich einer auf der Wunschkarte befindet?

Durch die zügige Verhaftung eines Tatverdächtigen entsteht vielmehr der Eindruck, dass nach jüngsten Polizeiskandalen dringend eine Jubelmeldung erforderlich war, jetzt, wo die Niederösterreichischen Landtagswahlen vor der Tür stehen. Dass Landeshauptmann Erwin Pröll der Polizei übereilt zur „Aufklärung“ des Falls gratuliert, mag einem Anflug von Cäsarenwahn zuschreibbar sein, aber die Unschuldsvermutung eines Niederösterreichischen Bürgers zu mißachten, nur um politisches Kleingeld einzukassieren, ist gelinde gesagt eine Sauerei.

Die gestotterten, manchmal sogar gestammelten Pressekonferenzen in der Justizanstalt Krems sind jedanfalls eine Farce. Man braucht keinen Lügendetektor, um zu erkennen, dass uns die Vortragenden einen Schmäh auftischen. Franz Wendler von der Sicherheitsdirektion und Oberst Ernst Schuch vom Landeskriminalamt NÖ sehen offenbar zu viele schlechte Filme, wenn sie denken, sie könnten die Bevölkerung einfach mit Falschinformationen anschmieren. Der verhinderte Bau eines Thermalhotels als Tätermotiv erinnert bestenfalls an den Plot eines Neo-Heimatfilms mit Hansi Hinterseer.

Tease Me, Dita!

Februar 1, 2008

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Alles Walzer in der Oper. Gestern Nacht fand der Ball der Bälle statt. Doch nahezu die gesamte Fernsehbranche scheiterte an der richtigen Ausprache des Nachnamens der Dita von Teese. Wie provinziell kann Fernsehen eigentlich sein?

von JIMMY DEIX 

Sie kam, sah und ging wieder. Als Stargast des Wiener Opernballs 2008 versetzte die amerikanische Burlesque-Tänzerin Dita von Teese den Operettenstaat nicht nur in Medien-Aufruhr, sie löste auch einige sprachliche Verwirrung aus. Nahezu die gesamte österreichische Fernsehwelt scheiterte an der richtigen Aussprache ihres Nachnamens. Aus Dita von Teese wurde „Dita von Täse“. Der phonetische Schnitzer ließ bereits in der Vorberichterstattung zum jährlichen Höhepunkt der Wiener Ballsaison aufhorchen und wurde schließlich zum Selbstläufer – Heute in Österreich, Bundesland heute, Winterzeit, Zeit im Bild …

Was ist daran so kompliziert? Wie doppelte Vokale im Englischen richtig betont werden, erfährt man bereits im ersten Band von Ann & Pat. Ein doppeltes „e“ wird demnach wie ein langgezogenes „i“ ausgesprochen, wie beispielsweise auch bei „Breeze“ oder „Cheese“ (zu deutsch: „Käse“). Dies nur zum Vergleich. Die Briten singen ja auch „God Save The Queen“ und nicht „Gwän“.
Auf die Idee, dass der Künstlername Dita von Teese ein Wortspiel beinhalten könnte, nämlich eine Anspielung auf das Wort „Tease“, so wie sich selbiges auch im Fachbegriff Strip-Tease wiederfindet, kam scheinbar niemand.
Schlimm genug, wenn sich Präsentatoren des Aktuellen Dienstes – der „Heiligen Kuh“ der ORF-Nachrichtenaufbereitung – diesen Fehler leisten. Dass auch Fachgelehrte populärer Magazine in diesen Fettnapf treten, obgleich sie hauptberuflich über Celebrities berichten, lässt einen stutzig werden. Jede 14jährige Gothic-Lolita aus Meidling hätte die schaumgeborene Varieté-Künstlerin aus dem Martini-Glas kompetenter beim Namen nennen können. Ob der ORF diese Teenager als Publikum halten wird können, wenn sie erst einmal Twens sind?

Nachdem die These von der korrekten Aussprache nach und nach auch den Küniglberg erklommen hatte, sollten halblustige Witzelchen beim Gebührenzahler das kompensieren, wofür es nun zu spät war. Es sei mehr oder weniger egal, wie die Dame nun wirklich heißt, teilte uns ZIB-Sprecher Armin Wolf live auf Sendung schmunzelnd mit. Irrtum! Das ist eben nicht egal, Herr Achim Golf! Allein schon deshalb nicht, weil es bezeichnend für eine Berichterstattung ist, die uns darüber informieren möchte, wie sehr Dita von Teese Mieder und Korsagen schätzt. Wie seltsam. Hat sie nicht erst letzte Woche einen hochdotierten Werbevertrag bei Wonderbra unterschrieben?!

Journos, die den sprachlichen Fauxpas nicht umschiffen konnten, mögen es künftig besser unterlassen, spitzfindige Bemerkungen über Gastgeber und Logenpächter Richard Lugner vom Stapel zu lassen, weil dieser Sarah Ferguson, die Herzogin von York, einst mit „Förtschi“ ansprach. Im Ozean der Fettnäpfe sitzen scheinbar alle im selben Boot.