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		<title>Demokratiedefizite</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Oct 2011 13:48:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jimmy Deix</dc:creator>
				<category><![CDATA[//// KOLUMNEN]]></category>
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		<description><![CDATA[JIMMY DEIX über die Unzulänglichkeiten des Mehrheitsprinzips im transnationalen Wandel. Eine Demokratie ist im Grunde eine abgeschaffte Monarchie oder Diktatur. Als solche ist sie in unserer Wertegesellschaft eine alternativlose Errungenschaft. Sich zur Demokratie zu bekennen gehört in der Politik zum guten Ton. Hinterfragt wird sie jedoch nie. Dabei weist sie einige gravierende Mängel auf: Sie [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jimmydeix.wordpress.com&amp;blog=2696686&amp;post=555&amp;subd=jimmydeix&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>JIMMY DEIX <strong>über die Unzulänglichkeiten des Mehrheitsprinzips im transnationalen </strong><br />
<strong>Wandel.</strong></p>
<p>Eine Demokratie ist im Grunde eine abgeschaffte Monarchie oder Diktatur. Als solche ist sie in unserer Wertegesellschaft eine alternativlose Errungenschaft. Sich zur Demokratie zu bekennen gehört in der Politik zum guten Ton. Hinterfragt wird sie jedoch nie. Dabei weist sie einige gravierende Mängel auf: Sie ist entweder wirtschaftlich ineffizient, politisch ideologisch oder moralisch korrupt.<br />
Eine demokratisch legitimierte Regierung beruht auf dem Mehrheitsprinzip. Eine Mehrheit hat aber kein Gewissen. Sie muss sich daher auch nicht vorwerfen lassen, eine unfähige Regierung ins Amt gewählt zu haben. Mehrheit setzt auch Uneinigkeit voraus und wenn die Mehrheit den Willen einer Minderheit unterdrückt, dann ist auch die Demokratie bloß eine Tyrannei auf Zeit.<br />
Wer genauer hinsieht, wird erkennen, wie sehr die Demokratie den Bürger von der Regierung trennt. Sie tut dies mithilfe der Parteien, die sich wie ein Stoßdämpfer dazwischen befinden. George Washington hingegen wurde Präsident der Vereinigten Staaten, ohne einer Partei anzugehören. Es kommt also nicht von ungefähr, dass im Österreichischen Parteiengesetz die Existenz und Vielfalt politischer Parteien als „wesentliche Bestandteile der demokratischen Ordnung der Republik“ gewertet werden. Doch die Art und Weise, wie sich die Parteien den Staat angeeignet haben, steht in  eklatantem Widerspruch zu ihrer eigentlichen Aufgabe – der Mitgestaltung des Bürgerwillens. Die Parteien sind eins mit dem Staat und die sogenannte Mehrheit gab dafür den Anschein der Rechtfertigung.</p>
<p><strong>Freedom &amp; Democracy</strong><br />
Was eine Demokratie ist und welche Staaten die Kriterien hierfür nicht erfüllen, wird von der NGO Freedom House beobachtet. Ihre Einschätzungen dienen den USA als Grundlage für militärische Interventionen in fernen Ländern. Finanziert wird die Organisation von dem Großspekulanten George Soros, der nun den Euro in die Knie zwingen möchte. Die Euro-Krise löste wiederum Debatten über den Entzug des Stimmrechts defizitärer EU-Mitgliedsstaaten aus, die ihre Verpflichtungen nicht einhalten können. Das käme einer doppelten Entwertung des Bürgerwahlrechts gleich – einmal  mehr im Namen der Demokratie. Es liegt in der Natur der Sache, dass  die Demokratie vom Widerspruch lebt. So lange Logik mehrwertig sein kann und Gegensätze dialektische Einheit bilden können, so lange wird die Demokratie lebendig bleiben. Auch das römische Reich war eine Republik und eine Demokratie. Und wo ist es heute?</p>
<p><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2011/10/silver-292.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-577" title="SILVER 29" src="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2011/10/silver-292.jpg?w=114&#038;h=150" alt="" width="114" height="150" /></a></p>
<p>Erschienen im IT-Magazin SILVER Nr. 29 zum Thema „Politik“,<br />
Oktober 2011</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jimmydeix.wordpress.com/555/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jimmydeix.wordpress.com/555/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jimmydeix.wordpress.com/555/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jimmydeix.wordpress.com/555/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jimmydeix.wordpress.com/555/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jimmydeix.wordpress.com/555/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jimmydeix.wordpress.com/555/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jimmydeix.wordpress.com/555/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jimmydeix.wordpress.com/555/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jimmydeix.wordpress.com/555/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jimmydeix.wordpress.com/555/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jimmydeix.wordpress.com/555/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jimmydeix.wordpress.com/555/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jimmydeix.wordpress.com/555/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jimmydeix.wordpress.com&amp;blog=2696686&amp;post=555&amp;subd=jimmydeix&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>„Machen – nicht quatschen!“</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Oct 2011 13:09:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jimmy Deix</dc:creator>
				<category><![CDATA[//// INTERVIEWS]]></category>
		<category><![CDATA[Hacker]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Bernhard]]></category>
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		<category><![CDATA[Ubermorgen]]></category>
		<category><![CDATA[vote auction]]></category>
		<category><![CDATA[wiener aktionismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie versteigern Wählerstimmen für die Präsidentschaftswahl der USA im Internet, kaufen Google auf, um es an User zu verschenken, und stehlen tonnenweise Bücher bei Amazon. Hans Bernhard und lizvlx sind das progressive Künstler-Duo UBERMORGEN. Mit provokanten Web-Attacken im virtuellen Raum fordern sie Rechtsstaatlichkeit, Konzerne und Geheimdienste heraus. Interview  JIMMY DEIX     Fotos MARTIN STÖBICH [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jimmydeix.wordpress.com&amp;blog=2696686&amp;post=553&amp;subd=jimmydeix&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2011/10/ubermorgen_copyright_martin-stoebich.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-573" title="UBERMORGEN_Copyright_Martin Stoebich" src="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2011/10/ubermorgen_copyright_martin-stoebich.jpg?w=300&#038;h=200" alt="Ubermorgen" width="300" height="200" /></a></p>
<p><strong>Sie versteigern Wählerstimmen für die Präsidentschaftswahl der USA im Internet, kaufen Google auf, um es an User </strong><strong>zu verschenken, und stehlen tonnenweise Bücher bei Amazon. <span style="color:#808080;">Hans Bernhard</span> und <span style="color:#888888;">lizvlx</span> sind das progressive Künstler-Duo UBERMORGEN. Mit provokanten Web-Attacken im virtuellen Raum fordern sie Rechtsstaatlichkeit, Konzerne und Geheimdienste heraus.</strong></p>
<p>Interview  JIMMY DEIX     Fotos MARTIN STÖBICH <span style="text-decoration:underline;"><span style="color:#000000;text-decoration:underline;"><a href="http://martinstoebich.com/" target="_blank"><span style="color:#000000;text-decoration:underline;">&gt;&gt;</span></a></span></span></p>
<p><strong>Der ORF sendete kürzlich die „Nacht des Wiener Aktionismus“.  Euch hat man nicht gefragt?</strong><br />
<span style="color:#808080;"><strong>Hans:</strong></span> In Österreich kennt uns niemand. Es gibt hier kaum Galerien für Netzkunst. Ab und zu kriegen wir eine Goldene Nica bei der ARS Electronica, aber das war’s dann auch schon.</p>
<p><strong>Über euer Projekt „[Vote]-Auction“ wurde in der Weltpresse hingegen 2500 Mal berichtet, inklusive halbstündiger Sondersendungen auf CNN.  Den Behörden gefiel es jedoch weniger, dass ihr Wählerstimmen für die US-Präsidentschaftswahl im Internet versteigert habt.</strong><br />
<span style="color:#808080;"><strong>Hans:</strong></span> Wir wurden von mehreren Bundesstaaten der USA verklagt und hatten Staatsanwälte, FBI und CIA am Hals. Die verstehen da keinen Spaß. Die Klageschriften die bei uns einlangten wiegen insgesamt 700 Kilogramm. Unsere Auslieferung war aber nicht möglich, wie auch bei Julian Assange.</p>
<p><strong>Die Ironie der Aktion war, die Demokratie noch näher an den Kapitalismus heranzuführen als es ohnehin der Fall ist. Ihr habt jetzt davon, dass ihr auf einem riesigen Schuldenberg sitzt.</strong><br />
<span style="color:#808080;"><strong>Hans:</strong></span> Die pissen dir ans Bein. Sie klagen dich, bis du keine Luft mehr kriegst und deine Infrastruktur kaputt ist. Wir haben so viele Schulden, dass es uns wurscht ist, ob uns jemand zivilrechtlich klagt, weil es keine Relevanz mehr hat. Alle, die von uns Geld wollen, können sich hinten anstellen.</p>
<p><strong>Wie reagieren Konzerne darauf, wenn sie erkennen, dass hinter dem Web-Angriff Künstler stehen?</strong><br />
<span style="color:#808080;"><strong>Liz:</strong></span> Für die Rechtsvertreter ist es irrelevant, ob Künstler oder wirtschaftliche Absicht dahinter stecken. Mit Google kannst du nicht reden. Da gibt es keine Kommunikation. Dann ist es wie ein Schachspiel, in dem sich die Gegner selber schachmatt setzen, weil sie die Rolle spielen, die man von ihnen erwartet. Das funktioniert frappierend einfach. Es ist leichter, einen großen Medienzirkus zu manipulieren als vier Personen.</p>
<p><strong>Vor eurem Haus parken Autos mit Agenten, die euch observieren. Gehen die Geheimdienste bei euch ein und aus?</strong><br />
<span style="color:#808080;"><strong>Liz:</strong></span> Bei dem Projekt „NAZI~LINE“ haben wir für Christoph Schlingensief ehemalige Neonazis als Schauspieler gecastet. Da tauchte plötzlich ein Typ auf, der sich als Anwalt ausgab. Mir war gleich klar: Der kann nur vom Verfassungsschutz sein. Was will man mehr, als mit solchen Leuten zwei Stunden lang ein Kunstprojekt zu besprechen. Ich fand es spannend, zu rätseln, wer was vom anderen weiß und wer wen durchschaut.<br />
<span style="color:#808080;"><strong>Hans:</strong></span> Lustig waren auch diese Anrufe von „Herrn Müller“, dem rechtsfreundlichen Vertreter des Deutschen Innenministeriums, der keine Rückwahlnummer hatte &#8230;</p>
<p><strong>Wie war eure Zusammenarbeit mit Christoph Schlingensief?</strong><br />
Wenn Du mit ihm gearbeitet hast, wurdest du neben ihm gar nicht wahrgenommen. Auf gleicher Ebene zu agieren war nicht möglich. Der Typ war einfach ein Genie.</p>
<p><strong>Ihr habt mit einer Hacker-Software die digitale Bibliothek bei Amazon geplündert. Der Konzern hat euch schließlich die Software abgekauft. Wie hoch war der Kaufpreis, den Amazon bezahlt hat?</strong><br />
<strong><span style="color:#808080;">Hans:</span></strong> Das können wir nicht sagen.<br />
<strong><span style="color:#808080;">Liz:</span></strong> Sonst regen sich die anderen wieder auf, die Geld von uns wollen.<br />
Hans: <em>Legal Art</em> macht Sinn. Ein Teil der Kunst ist eben der juristische Bereich.</p>
<p><strong>Eure Aktionen sind subversiv und anarchistisch. Umso erstaunlicher ist es, dass ihr vorgebt, eure Arbeit sei nicht politisch motiviert.</strong><br />
<strong><span style="color:#808080;">Hans:</span></strong> Widerstand muss nicht politisch sein. Wir sind Aktionisten und keine Aktivisten. Die Produktion ist bei uns frei von jeder Ideologie, weil dafür kein Platz ist. Die Rezeption bleibt hingegen jedem selbst überlassen, und die ist natürlich politisch wahrnehmbar, je nach Kontext, in dem es erscheint.<br />
<strong><span style="color:#808080;">Liz:</span></strong> Es ist nicht alles Politik. Wenn Interesse an sozialen Strukturen und Gesellschaft schon politisch ist, dann ist das nur mehr armselig. Es gibt ja auch gesunden Menschenverstand. Das ist uns wichtiger.</p>
<p><strong>Was ist dann euer Anliegen? Was gibt euch den Kick, um sich mit Regierungen und Konzernen anzulegen?</strong><br />
<span style="color:#808080;"><strong>Hans:</strong></span> Bei mir ist es der Trieb. Viel LSD nehmen und dann forschen. Auch wenn kein klares Resultat dabei herauskommt. Meine Motivation ist die Neugier. Ich wüsste nicht, wie ich sonst machen sollte, was ich tue. Aber die Welt ändern wie Anonymous wollen wir nicht.<br />
<span style="color:#808080;"><strong>Liz:</strong></span> Wir haben keine Ziele. Wir meinen nicht, dass wir etwas wissen, was andere nicht wissen und diese Sache verkünden müssen, was bei politisch Orientierten immer stark mitschwingt. Das interessiert uns nicht. Wir arbeiten rein experimentell. Wir sind Freestyle-Forscher.</p>
<p><strong>Ihr setzt mit euren Aktionen Missverständnisse in die Welt und löst sie danach auf. Dabei zählt ihr nicht gerade zu </strong><strong>jenen Künstlern, die zaghaft darin sind, ihre Werke wortreich zu erläutern.</strong><br />
<span style="color:#808080;"><strong>Hans:</strong></span> Die Rezeption ist eben ein gleichbedeutender Teil unserer Arbeit.<br />
<span style="color:#808080;"><strong>Liz:</strong></span> Missverständnisse?! Ich würde sagen, es gibt in dem Bereich eher zu wenig Verständnis. Wenn Nazis böse sind, dann sind Ex-Nazis ja gut, oder? Aber da halten sich die Linken wieder nicht dran. Es ist ja nicht so oder so. Und es ist nie einfach.</p>
<p><strong>Mit welcher Arbeitsweise geht ihr an neue Projekte heran?</strong><br />
<span style="color:#808080;"><strong>Liz:</strong></span> Wir hängen mehrere Angeln ins Wasser und schauen, ob was anbeißt, woraus man etwas machen könnte. Es ist für<br />
uns immer von Interesse, wenn man sich Sachen fragt, die man nicht besonders beantwortet findet, und dann setzt man  sich damit auseinander. Da wir dazu in der Lage sind, sie in einer ästhetischen Form zu veröffentlichen, stellen sich auch andere diese Fragen, und man erhält vielleicht doch ein paar interessante Antworten.</p>
<p><strong>Recherche ist ein wesentlicher Teil eurer Arbeit. Wie geht ihr mit Quellen um?</strong><br />
<span style="color:#808080;"><strong>Hans:</strong></span> Gar nicht. Alles was kommt , ist für uns real und wird integriert. Wir bewerten das nicht. Der Luxus unserer Arbeit ist, dass man Dinge recherchiert und mit Leuten spricht, die einen wirklich interessieren, etwa mit Piraten in Somalia oder mit ehemaligen Häftlingen in Guantanamo.</p>
<p><strong>Wird politischer Protest immer mehr zum Lifestyle?</strong><br />
<span style="color:#808080;"><strong>Hans:</strong></span> Eigentlich überhaupt nicht. Das ist eine anstrengende Hacke und bringt eigentlich nichts.</p>
<p><strong>Der Aufstand in Ägypten, das waren keine Rebellen, sondern eher junge Hedonisten.</strong><br />
<span style="color:#808080;"><strong>Hans:</strong></span> Street Parade am Tahrir-Platz? (lacht)<br />
<span style="color:#808080;"><strong>Liz:</strong></span> Warum auch nicht? Sollen sie sich etwa kleiden, damit sie aussehen, wie sich die CIA einen Ägypter vorstellt? Tut mir leid, dass der Ägypter nicht weiß, wie er auszusehen hat. Was soll er denn erfüllen, damit es nicht nach billigem Lifestyle aussieht? Was hat man denn für Wünsche?<br />
<span style="color:#808080;"><strong>Hans:</strong></span> Ich finde es interessant zuzusehen, wenn etwas Neues entsteht. Es muss ja nicht unbedingt schlechter werden. Immerhin passiert etwas.<br />
<span style="color:#808080;"><strong>Liz:</strong></span> Die Amerikaner finden das nicht so gut, also kann es nicht so schlecht sein.</p>
<p><strong>Einst wurde das Fernsehen etabliert, um den Mob von der Straße wegzuholen. Bringt das Internet die Leute wieder auf die Straße zurück?</strong><br />
<span style="color:#808080;"><strong>Liz:</strong></span> Das mobile Internet sicher (lacht).<br />
<span style="color:#808080;"><strong>Hans:</strong></span> Das Netz ist für uns nicht physikalisch. Viel wichtiger ist der öffentliche Raum den es bildet, und als solcher sollte er wahrgenommen werden. Public Space bietet dasselbe Recht wie auf dem Bürgersteig gehen zu dürfen.<br />
<span style="color:#808080;"><strong>Liz:</strong></span> Und immer dieses Einfordern von Anonymität im Netz. Lächerlich! Es gibt ja auch kein Recht auf Anonymität, wenn man auf der Straße geht.</p>
<p><strong>Ihr wechselt Eure Domains wie andere ihre Unterwäsche. Macht euch die Zensur zu schaffen?</strong><br />
<span style="color:#808080;"><strong>Hans:</strong></span> Wir kämpfen damit. Wir haben eine kommissionierte Arbeit für das Whitney Museum of American Art in New York fertig gestellt: „Clickistan“ – ein harmloses JavaScript-Game, in dem die Wörter „Terror“ und „Muslim“ vorkamen, im durchaus wertneutralen Kontext. Das musste raus. Wenn eine unabhängige amerikanische  Kunstinstitution sich selbst zu zensieren beginnt, dann ist das inakzeptabel.<br />
<span style="color:#808080;"><strong> Liz:</strong></span> Wie man damit umgeht, ist sogleich die nächste Arbeit. Man löst das Problem und redet nicht darüber. Machen – nicht quatschen!<br />
<span style="color:#808080;"><strong>Hans:</strong></span> Wir haben die Wörter einfach mit dem Begriff „Censorship“ ersetzt.</p>
<p><strong>Welche Erkenntnisse haben sich durch eure fröhliche Wissenschaft am stärksten herauskristallisiert?</strong><br />
<span style="color:#808080;"><strong>Liz:</strong></span> Es ist viel leichter an hochqualitative Informationen zu kommen, als man denkt. Ich verstehe daher den<br />
Beruf des Journalisten mittlerweile nicht mehr und wundere mich, warum es kaum mehr gut recherchierte Artikel gibt.<br />
<span style="color:#808080;"><strong>Hans:</strong></span> Es war in der Tat eine Erkenntnis, dass der monolithische Qualitätsjournalismus, vor dem wir in den 1980er Jahren immer große Achtung hatten, komplett unseriös ist.<br />
<span style="color:#808080;"><strong>Liz:</strong></span> Die einzige Zeitungen, die ich noch lese, sind <em>Heute</em> und <em>Österreich</em>.</p>
<p><strong>Ihr produziert bis zu 20 Projekte im Jahr. Gehen euch nie die Ideen aus?</strong><br />
<span style="color:#808080;"><strong>Liz:</strong></span> Es ist immer die Frage, ob es einen Grund gibt, etwas nicht zu machen. Es wäre ja peinlich, wenn es über viele Dinge keine Nachforschungen mehr gäbe.</p>
<p>PERSONELLES:<br />
<strong>Lizvlx</strong>, Geb.: 1973 in Linz, Netzkünstlerin in den Bereichen Computergrafik, Medien-Aktionismus und Programmierung; färbt sich gerne die Haare.<br />
<strong>Hans Bernhard</strong>, Geb.: 1971 in New Haven, USA; Schüler von Peter Weibel; Autor, Aktionist, Medienkünstler, Hacker; laborierte an bipolarer Störung.<br />
Beide leben und arbeiten in Wien und St. Moritz<br />
<span style="text-decoration:underline;"><span style="color:#000000;text-decoration:underline;"><a href="http://www.ubermorgen.com" target="_blank"><span style="color:#000000;text-decoration:underline;"> www.ubermorgen.com</span></a></span></span></p>
<p><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2011/10/silver-291.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-562" title="SILVER 29" src="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2011/10/silver-291.jpg?w=114&#038;h=150" alt="" width="114" height="150" /></a></p>
<p>Erschienen im IT-Magazin SILVER Nr. 29 zum Thema „Politik“,<br />
Oktober 2011</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jimmydeix.wordpress.com/553/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jimmydeix.wordpress.com/553/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jimmydeix.wordpress.com/553/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jimmydeix.wordpress.com/553/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jimmydeix.wordpress.com/553/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jimmydeix.wordpress.com/553/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jimmydeix.wordpress.com/553/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jimmydeix.wordpress.com/553/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jimmydeix.wordpress.com/553/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jimmydeix.wordpress.com/553/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jimmydeix.wordpress.com/553/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jimmydeix.wordpress.com/553/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jimmydeix.wordpress.com/553/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jimmydeix.wordpress.com/553/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jimmydeix.wordpress.com&amp;blog=2696686&amp;post=553&amp;subd=jimmydeix&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Trial and error</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 21:23:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jimmy Deix</dc:creator>
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		<description><![CDATA[JIMMY DEIX über das Leben als Spiel – als Methodik zur simultanen Erprobung realer Situationen. Das Leben bereitet uns manchmal Schwierigkeiten: Konflikte mit Menschen, Rechnungen, kaputte Maschinen, Zeitverlust, rote Ampeln u.v.m. Unsere Aufgabe ist es, sich täglich diesen Herausforderungen zu stellen. Mitunter gleicht unser Dasein einem Dauerzustand permanenter Problemlösung. Diese Komplikationen erfolgreich zu meistern kann sogar [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jimmydeix.wordpress.com&amp;blog=2696686&amp;post=542&amp;subd=jimmydeix&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>JIMMY DEIX<strong> über das Leben als Spiel – als Methodik zur simultanen Erprobung realer Situationen.</strong></p>
<p>Das Leben bereitet uns manchmal Schwierigkeiten: Konflikte mit Menschen, Rechnungen, kaputte Maschinen, Zeitverlust, rote Ampeln u.v.m. Unsere Aufgabe ist es, sich täglich diesen Herausforderungen zu stellen. Mitunter gleicht unser Dasein einem Dauerzustand permanenter Problemlösung. Diese Komplikationen erfolgreich zu meistern kann sogar der Sinn des Lebens sein.<br />
Im Spiel ist es nicht anders. Es besteht ebenso aus Barrieren und Zielen, die etwa durch Regeln vorgegeben sind. Dazwischen liegen unsere Möglichkeiten und Freiheiten, das Spiel zu gewinnen oder dessen Sinn zu erfüllen. Ziel eines Sports kann z.B. sein, einen Ball über eine Linie zu schlagen, ohne dass er pariert werden kann. Ein Gegner wird jedoch alles unternehmen um uns daran zu hindern dieses Ziel zu erreichen. Kurz: Er schafft uns nur Probleme, er ist lästig und möglicherweise sind wir ihm sogar unterlegen. Doch obwohl man in so einem Spiel ständig Hindernisse zu überwinden hat, ruft es dennoch Freude, Begeisterung und Euphorie hervor.<br />
Gäbe es aber keinen Widersacher, dann hätten wir kein Spiel und demzufolge auch keine Freude. Widrigkeiten sind somit erforderlich für ein Spiel.</p>
<p><strong>Spiel des Lebens – Jump &#8216;n&#8217; run</strong><br />
Spielerisches Handeln ist ein menschliches Bedürfnis und kann als solches gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Denn Spielintelligenz ist keine Form der Intelligenz sondern Intelligenz in all seinen Formen. Sogar Eisbären und Delphine zeigen ein Spielverhalten. Wir folgen Mustern und Motivationen, erwerben dabei Kompetenzen, verbessern uns und vermeiden Fehler – im emotionalen, sozialen und kognitiven Bereich. Durch spielerische Aktivität sind wir in der Lage, Elemente einer Situation so zu verändern, dass Neues und Unbekanntes entsteht und für scheinbar unlösbare Probleme Lösungen gefunden werden können.</p>
<p>Unsere Gesellschaft ist voll von Konzepten und Verhaltensweisen, die aus reinem Spiel entstanden sind. Sie sind in den Künsten, in Ritualen der Religionen und in der Politik wiedererkennbar und auch die Wissenschaft vertraut bei Untersuchungen auf algorithmische Verfahren wie dem „Trial and error“.<br />
Spezialisierung und Mechanisierung haben jedoch viele dieser Entwicklungen starr und eindimensional werden lassen. Uns bleibt, neue Potentiale zu finden, um diese einengenden Zwänge spielerisch zu umgehen. Denn das Leben ist ernst und doch nur ein Spiel.<br />
<em>Press the button – enter level 2.</em></p>
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<p>Erschienen im IT-Magazin SILVER Nr. 28 zum Thema „Sport &amp; Spiel“,<br />
Juli 2011</p>
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		<title>Pokern ist sexy!</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 19:10:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jimmy Deix</dc:creator>
				<category><![CDATA[//// ARTIKEL]]></category>

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		<description><![CDATA[Als Berufsspieler ist GÖTZ SCHRAGE in dubiose Halbwelten abgetaucht. Legionen von Gegenspieler hat er abgezockt – eiskalt. Irgendwann ist er wieder aufgetaucht und wurde solide. Heute sieht er Poker als harmloses Spiel. Der blufft doch nur, oder? von JIMMY DEIX An einem Tag im Mai landen am Flughafen Wien vermehrt Maschinen aus Griechenland – aus [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jimmydeix.wordpress.com&amp;blog=2696686&amp;post=535&amp;subd=jimmydeix&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><span style="font-size:small;"><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2011/07/266909_221193497922120_145535308821273_559702_8100507_o2.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-550" title="Schrage" src="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2011/07/266909_221193497922120_145535308821273_559702_8100507_o2.jpg?w=300&#038;h=200" alt="" width="300" height="200" /></a></span></strong></p>
<p><strong><span style="font-size:small;">Als Berufsspieler ist </span></strong><span style="font-family:Arial,sans-serif;"><span style="font-size:small;">GÖTZ SCHRAGE</span></span><strong><span style="font-size:small;"> in dubiose Halbwelten abgetaucht. Legionen von Gegenspieler hat er abgezockt – eiskalt. Irgendwann ist er wieder aufgetaucht und wurde solide. Heute sieht er Poker als harmloses Spiel. Der blufft doch nur, oder?</span></strong></p>
<p>von JIMMY DEIX</p>
<p>An einem Tag im Mai landen am Flughafen Wien vermehrt Maschinen aus Griechenland – aus Athen, Thessaloniki &#8230; Was wollen die alle hier? „Pokern ist in Griechenland verboten“, erklärt Insider Götz Schrage. „Die kommen, um in Wien ihre Staatsmeisterschaft auszutragen &#8230;“<br />
Poker – ein Spiel ohne Grenzen. <span style="font-size:small;">No limits! </span>Im Concord Card Casino in Simmering, einem der besten Kartenspielhäuser Europas, frequentieren hunderte Griechen die grünen Tische. Die Greek Poker Tour hat sich zu einem populären Turnier entwickelt. <span style="font-size:small;">Eine dieser typischen Grauzonen in der EU eben. </span>Die Griechen lieben das Glückspiel. Schon in deren Mythologie würfelt Herkules mit einem Tempelwächter um eine hübsche Kurtisane. Und wenn Götz Schrage Lust verspürt, zockt er gern ein paar Runden mit. Aber keine hohen Einsätze. Vielleicht drei- bis vierhundert Euro. Schrage ist heute kein High roller mehr: „Die Zeiten, als ich frühmorgens mit 13.000 Euro Miese mit einem Taxi in die Junisonne fuhr, die sind für immer vorbei“.<br />
<span class="Apple-style-span" style="font-size:small;">Branchen-Profi ist er geblieben. Schrage ist heute Inhaber des Web-Portals pokerfirma.de. Auf hochgepokert.com und im Pokerblatt veröffentlicht er unterhaltsame Kolumnen rund ums Spiel. „Schräge Gedanken“ – so der vortreffliche Name einer seiner Rubriken – liegen ihm näher als Poker-Chinesisch. „Meine Texte richten sich eher an die Ehefrauen der Pokerspieler“, witzelt Schrage. Mit der Verzückung eines pfiffigen Romanciers, transformiert er seine Erfahrungen aus dem Milieu in die Sphären der Unterhaltungsliteratur. In einem Web-Forum, betitelt mit „Götz Schrage – Was will er uns immer sagen?“ hinterfragen Leser den Sinn seiner polemischen Fabulierungen. „Die Antwort weiß ich oft auch nicht,“ gesteht Schrage. „Ich denke und lebe tatsächlich so verschraubt und verwirrt wie ich schreibe.“</span></p>
<p align="JUSTIFY">Den Pot der Greek Poker Tour in Höhe von 27.180 Euro sackt schließlich der Grieche Chris Kapralos ein. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass griechischen Staatsbürgern die Teilnahme an Glücksspielen eigentlich verboten ist. Vermehrt hat die EU die griechische Regierung v<span style="color:#000000;">erwarnt, seine Hindernisse für Glücksspiel endlich zu beseitigen. Die Gegenargumente lauten Spielsuchtprävention und Beschaffungskriminalität. Als ob das bei der Haushaltslage nicht schon egal wäre.</span></p>
<p align="JUSTIFY">„Der typische Poker-Spieler von heute ist Nichtraucher, trinkt Mineralwasser und muss nachher noch ins Fitnesscenter,“ räumt Schrage mit alten Poker-Mythen auf. Das sind die Nachwirkungen des Booms. Poker ist studentischer und unschuldig geworden. Schrage ist sich sicher: „Eines Tages werden noch die Gaswerke und Swarovski Turniere abhalten“.<br />
<span class="Apple-style-span" style="font-size:small;">Als Schrage zu spielen begann, war von einem Poker-Boom noch keine Rede. Das war die Zeit, als man das Kartenspielen noch aus den Wirtshäusern verbannen wollte. Seine Zocker-Karriere begann bereits im Kindesalter: „Ich stamme aus komplizierten Verhältnissen und bin im Gemeindebau aufgewachsen,“ erzählt er offen. Mit Gleichaltrigen spielte er um kleine Beträge und Wertgegenstände wie Briefmarkensammlungen. Stiege für Stiege: „Ich hatte sozusagen schon im Gemeindebau ein kleines Casino laufen,“ grinst er. Das Ganze eskalierte schließlich, als es um ein echtes Schwert ging, das bei jemandem im Wohnzimmer an der Wand hing … Schrages Vater bekam Besuch vom Vater des ausgenommenen Freundes und die Umtriebe des kleinen Götz – „Ich war damals 11 oder 12“ – flogen auf. Es war ein historischer Offiziers-Degen aus dem I. Weltkrieg.<br />
</span><span class="Apple-style-span" style="font-size:small;">Später landete Schrage in der Medienbranche. Am Tag als John Lennon erschossen wurde, bewarb er sich als Redakteur beim Rennbahn-Express und erhielt von Herausgeber Wolfgang Fellner prompt den Auftrag, einen Nachruf auf den Beatle zu schreiben – er scheiterte kläglich. „Ich fand Lennon ecklig. Wie kann man sich barfuß von Annie Leibovitz fotografieren lassen, während man sich in Embryo-Stellung an diese japanische Mittelscheitel-Frau ansaugt?“ Stattdessen wurde Schrage Leibwächter von Bud Spencer, als dieser kurz in Wien weilte, weil er so groß ist (1,93 m). Beim Magazin Wiener schrieb er erste Artikel. Die waren gut. Weil er als Langsamschreiber aber nie fertig wurde, schenkte ihm Mentor Gert Winkler eine Kamera. Bald darauf wurde Schrage einer der bestbezahlten Portrait- und Werbefotografen überhaupt, mit einer Tagesgage von 25.000 Schilling. „Ich habe es gehasst,“ erinnert er sich. Damals konnte man in der Werbung noch richtig verdienen. Es war gutes Geld, aber wohin damit?</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size:small;">Als Berufsspieler nahm Schrage das Spiel sehr ernst. Er ging täglich um 21 Uhr zu Bett und stand gegen 4 Uhr morgens wieder auf. Frisch geduscht und schön gekleidet, fuhr er ins Casino, um die kaputten Gestalten der Nacht einzusammeln. Schrage spielte damals </span><span style="font-size:small;"><em>Five Card Draw</em></span><span style="font-size:small;"> – fünf Karten in der Hand, einmal tauschen. Ganz klassisch. Das lief jahrelang sehr gut. Die Spielweisen haben sich geändert. Heute ist </span><span style="font-size:small;"><em>Texas Hold&#8217;em</em></span><span style="font-size:small;"> populär. Eine Variante, die schön anzusehen und telegener </span><span style="color:#000000;"><span style="font-size:small;">ist und Poker ins Fernsehen brachte. Das sind Nebenerscheinungen des Poker-Booms, ausgelöst durch den legendären Sieg des Amateurs Chris Moneymaker bei der „World Series of Poker 2003“. Mit einem Einsatz von nur 39 Dollar gewann Moneymaker das Preisgeld von 2,5 Mio. Dollar und löste damit die Poker-Welle aus, vor allem in Europa und im Internet. Das hat sich heute auf sehr hohem Niveau stabilisiert. </span></span><span style="color:#000000;"><span style="font-size:small;">„Poker ist ein kommunikativer, netter Sport und ein spannendes Spiel,“ schwärmt Schrage. „Es erfordert Fähigkeiten, Verstand und Psychologie.“ Das hat nicht nur mit den Marketing-Strategien der Anbiet</span></span><span style="color:#000000;"><span style="font-size:small;">er zu tun: „Poker ist einfach sexy!“ </span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="font-size:small;">Spielsucht? Existenzgefährdung? Beschaffungskriminalität? Schrage weiß die Antwort: „Das betrifft eher die Automatenspieler. Wer zu Suchtproblemen neigt, für den ist Poker ein zu reizarmes, langweiliges Spiel. Es tut sich zu wenig, es dauert alles zu lange und man kann sich nicht so vernichten wie beim Roulette“.</span></p>
<p align="JUSTIFY"><strong>Mit einem Fuß im Kriminal?<br />
</strong><span class="Apple-style-span" style="font-size:small;">Schrage kokettiert gerne damit, das sogenannte „Pokerböse“ zu sein, wie er es nennt. In den verrauchten Hinterzimmern war er schließlich zu Hause, am Rande der Legalität. Wer ihn kennt weiß aber, dass Schrage eine ausgesprochen integere Person ist. „Die Leute haben heute keine Instinkte mehr,“ beobachtet er mit gewissem Amüsement. Das sei aber gut, in Hinblick auf Männer, mit denen man sich besser nicht anlegt. „Wenn früher ein gefährlicher Mann durchs Casino ging, haben sich von neun Leuten acht weggeduckt. Heute kann theoretisch der Staatsfeind Nr. 1 durchs Casino gehen und die Leute kennen nicht einmal seinen Namen und sind auch von seiner Aura nicht beeindruckt.“</span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color:#000000;"><span style="font-size:small;">Früher, viel mehr als heute, hat das Spiel Gestalten angezogen, die eher an Quentin-Tarantino-Filme erinnern. Casino-Gäste, zugeknallt mit Drogen, die immer unberechenbarer wurden, obwohl sie schon vorher brandgefährlich waren; die Aschenbecher untersuchten, weil sie dachten, darin sei ein Mikrofon versteckt. Schrage: „Ich hatte Feinde. Leute, die auf Koks waren und dachten, ich hätte ihr Geld. Aber ich hatte es nicht.“ In diesem Milieu hat sich ihm ein Biotop an Freundschaften erschlossen, zu denen Schrage nach wie vor steht, die ihn jedoch in Angelegenheiten involvierten, die einem Angst machen: „Man kommt schneller mit dem Gesetz in Konflikt, als man glaubt – und zwar ernsthaft“. </span></span></p>
<p align="JUSTIFY"><span style="color:#000000;"><span style="font-size:small;">Schrage kratzte im letzten Moment die Kurve und spielt heute nur mehr zum gesellschaftlichen Vergnügen. </span></span>Am Abend trifft er sich in einer halbprivaten Spielrunde. Mit von der illustren Partie: Chinesen, Russen, eine geheimnisvolle Thai-Lady, ein Albaner und ein Serbe. Allesamt Profispieler, die ihre Hauptberufe längst aufgegeben haben und daher immer schlechter Deutsch sprechen. Die Grammatik-Treffer-Quote liegt bei Null. Doch die Poker-Sprache ist international.</p>
<p>Der Albaner sagt zur Thai-Lady: „Jackpot – bumm, bumm!“<br />
Sie antwortet: „Nix, bumm bumm. Loch schon lange zu. Du brauchen Bohrmaschine.“<br />
Da ruft der Albaner: „Ich haben Bohrmaschine!!!“</p>
<p>Schrage schüttelt lachend den Kopf, wirft eine Karte aus: „Das sind die Geschichten, für die ich Poker liebe. Das bietet dir kein Kino“. An so einem Abend soll es ihm Wert sein 100 Euro zu verspielen. Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man eben.</p>
<p><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2011/07/silver-28-coverk.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-536" title="SILVER 28" src="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2011/07/silver-28-coverk.jpg?w=114&#038;h=150" alt="" width="114" height="150" /></a></p>
<p>Erschienen im IT-Magazin SILVER Nr. 28 zum Thema „Sport &amp; Spiel“,<br />
Juli 2011</p>
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		<title>Bürgerservice</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Mar 2011 23:10:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jimmy Deix</dc:creator>
				<category><![CDATA[//// KOLUMNEN]]></category>
		<category><![CDATA[Computer]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Service]]></category>

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		<description><![CDATA[JIMMY DEIX über den bemerkenswerten Umstand, dass Ämter und Behörden ihren Auftrag zunehmend als Servicedienstleistung am Bürger verstehen. „Dafür bin ich nicht zuständig“ ist eine oftmals geäußerte Bekundung im österreichischen Verwaltungswesen. Jeder war schon einmal auf einer Behördenrally, die ihn von Pontius zu Pilatus führte. Nicht zuständig zu sein ist aber die schlimmste Form der [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jimmydeix.wordpress.com&amp;blog=2696686&amp;post=497&amp;subd=jimmydeix&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2011/04/service_wueste1.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-502" title="service_wueste" src="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2011/04/service_wueste1.jpg?w=300&#038;h=207" alt="" width="300" height="207" /></a></p>
<p>JIMMY DEIX <strong>über den bemerkenswerten Umstand, dass Ämter und Behörden ihren Auftrag zunehmend als Servicedienstleistung am Bürger verstehen.</strong></p>
<p>„Dafür bin ich nicht zuständig“ ist eine oftmals geäußerte Bekundung im österreichischen Verwaltungswesen. Jeder war schon einmal auf einer Behördenrally, die ihn von Pontius zu Pilatus führte. Nicht zuständig zu sein ist aber die schlimmste Form der Korruption. Das soll jetzt alles anders werden. Besucht man heute eine Einrichtung der öffentlichen Verwaltung, trifft man vermehrt auf Hinweise, dass hier alles ein „Service“ sei. Klingt gut, aber was steckt dahinter? Etwa ein versteckter Kostenfaktor?!</p>
<p>Unter dem Begriff Service versteht man eine Dienstleistung mit wirtschaftlichem Hintergrund. Da es aber nicht die Aufgabe von Ämtern und Ministerien ist, sich wirtschaftlich zu betätigen – schon gar nicht in einer freien Marktwirtschaft –, stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solchen Benennung. Die Ineffizienz der Behörden lassen wiederholt Rufe nach einem schlanken Staat und einer wünschenswerten Trennung von Regierung und Verwaltung laut werden. Kein Bereich der Staatsorganisation ist heute so im Wandel begriffen wie die öffentliche Administration. Nicht zuletzt durch neue IT-Strukturen, die uns in eine E-Demokratie führen sollen. Der Bürger wird dabei immer mehr zum „Kunden“. Schon eine „Info“ gilt heute als Service. So als ob da nicht ohnehin ein Informationsrecht der Öffentlichkeit wäre.</p>
<p><strong>New Public Management</strong><br />
Es ist ein Irrtum, dass der Bürger einen Anspruch auf Services hat. Er hat ein Grundrecht auf sein Leben und die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit in Selbstbestimmung. Er hat aber kein Recht etwas von der Regierung zu bekommen, denn die Regierung selbst hat nichts. Damit sie dem Bürger etwas geben kann, muss sie es zunächst von jemandem nehmen. Also was bietet sie an? Einen virtuellen „Zuständigkeitsfinder“ im Web-Portal um sich den Behördenweg zu ersparen? Gemeinden, die für sich selbst Marketing betreiben und Veranstaltungen mit Parteicouleur als „Kulturservice“ preisen?</p>
<p>Die Behörden können sicher sein, dass der Bürger von ihnen gar nichts will. Er braucht von ihnen bestenfalls eine Bescheinigung, die ihn vor weiteren Scherereien bewahrt. Der Verwaltungsapparat wäre demnach viel kostengünstiger, wenn er die Österreicher einfach in Ruhe lassen würde und sich nicht in alle Bereiche einmischt, die ihn eigentlich nichts angehen. Trauen Sie jedenfalls keinem Politiker, der von einem „Service am Bürger“ spricht.</p>
<p><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2011/03/cover-silver-27.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-498" title="Cover-Silver-27" src="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2011/03/cover-silver-27.jpg?w=114&#038;h=150" alt="" width="114" height="150" /></a></p>
<p>Erschienen im IT-Magazin SILVER Nr. 27 zum Thema „Service“,<br />
April 2011</p>
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	</item>
		<item>
		<title>„Banken sollten ihr Testament in der Schublade haben“</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Jan 2011 10:28:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jimmy Deix</dc:creator>
				<category><![CDATA[//// INTERVIEWS]]></category>

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		<description><![CDATA[Ende der Fahnenstange. Professor FERRY STOCKER findet klipp und klare Worte für die Finanz- und Wirtschaftskrise, deren Ursachen und Folgen. Interview  JIMMY DEIX     Foto KATSEY &#160; &#160; Wieso muss der europäische Steuerzahler Banken retten, die ihr Geld am amerikanischen Immobilienmarkt versiebt haben? Dort wurde nicht nur mit Geld gezockt sondern auch mit europäischen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jimmydeix.wordpress.com&amp;blog=2696686&amp;post=446&amp;subd=jimmydeix&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><span style="font-size:13px;font-weight:normal;"><strong>Ende der Fahnenstange. Professor </strong>FERRY STOCKER <strong>findet klipp und klare Worte für die Finanz- und Wirtschaftskrise, deren Ursachen und Folgen. </strong></span></h3>
<p>Interview  JIMMY DEIX     Foto KATSEY</p>
<p><strong><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2011/02/ferry-stocker.jpg"><img class="size-medium wp-image-447 alignright" title="Ferry Stocker" src="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2011/02/ferry-stocker.jpg?w=225&#038;h=300" alt="Ferry Stocker" width="225" height="300" /></a></strong><strong> </strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wieso muss der europäische Steuerzahler Banken retten, die ihr Geld am amerikanischen Immobilienmarkt versiebt haben?</strong></p>
<p>Dort wurde nicht nur mit Geld gezockt sondern auch mit europäischen Staatsanleihen. Es gibt starke Parallelitäten zwischen der Immobilienkrise in den USA und der Staatsschuldenkrise in Österreich. In beiden Fällen handelt es sich um Veranlagungen der Banken in sicher scheinende Papiere. Doch bei näherem Hinsehen, stellten sich diese als Ramschpapier heraus.</p>
<p><strong>Wie konnte es zu diesen Fehlbewertungen kommen?<br />
</strong>Weil die Zentralbanken den Banken die Gelder gegeben haben, die Regulierungen es erlaubt und die Aufsichten zugeschaut haben. Wir haben den Banken ein Geschäftsmodel finanziert und ermöglicht, bei dem man fragen muss, ob es auch nur im Entferntesten rechtfertigbar ist.</p>
<p><strong>Was ist der ökonomische Sinn, Amerikaner zum Hauserwerb zu animieren und ihnen Kredite nachzuwerfen, die sie gar nicht bedienen können?<br />
</strong>Die Finanzierung von brustschwachen Hausbauern ist ein Substitut für das, was wir in Europa Sozialpolitik nennen. Es war politisch gewünscht und der Druck war sehr groß, dass möglichst jeder einen Kredit bekommt, um sich ein Haus kaufen zu können.</p>
<p><strong>Die Banken machen wieder Gewinne. Wieso auf einmal?<br />
</strong>Es läuft derzeit ein gigantisches Bankensanierungsprogramm, von dem die meisten Menschen gar nichts mitkriegen. Die Zentralbanken drücken die Zinsen. Daher bekommen sie so gut wie nichts auf ihr Sparbuch. Für einen Kredit zahlen sie aber trotzdem vier bis sechs Prozent. Die Zinsspanne zwischen Aktiv- und Passivseite ist so hoch wie überhaupt noch nie. Damit sanieren wir die Banken. Jeder Kleinsparbarer leistet seinen Beitrag, auch abseits des Steuerbudgets.</p>
<p><strong>Wir retten die Banken. Lehman Brothers wurden hingegen fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. War das gut?<br />
</strong>Darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Ich tendiere zu sagen, es war ein heilsamer Schock. Das könnte man umdeuten, und sagen, es sei kontraproduktiv gewesen. Man muss aber unterscheiden, dass Lehman Brothers eine reine Investmentbank war und keine Geschäftsbank. Lehman Brothers hatte 600 Tochtergesellschaften. Der Versuch der Abwicklung kostet bis jetzt 1 Mrd. US Dollar.</p>
<p><strong>Wie ließe sich in Zukunft so ein Kollaps verhindern?<br />
</strong>Banken, die theoretisch Pleite gehen könnten, sollten ihr Testament in der Schublade haben. So könnte man eine Großbank, die in Schwierigkeiten geraten ist, übers Wochenende abwickeln, ohne dass es Ansteckungseffekte gibt. Der gesunde Bereich – das normale Kreditgeschäft, der Zahlungsverkehr und die Spareinlagen laufen weiter. Diese Abwicklungsmechanismen sollten Regulatoren den Banken vorschreiben. In den USA und in Großbritannien versucht man sie bereits zu implementieren. Am Kontinent wurden dahingehend noch keine großen Schritte gesetzt. Vielleicht nächstes Jahr.</p>
<p><strong>Sie schreiben in ihrem Buch „Zahltag“ darüber, dass Banken mitunter Widerstand gegen eine rasche und solide Krisenbereinigung leisten.<br />
</strong>Ja, denn das würde bedeuten, dass ihre Misswirtschaft in der Vergangenheit jetzt zum Vorschein tritt. Sie müssten die noch verdeckten Verluste in ihren Büchern aufdecken. Die Banken leben in der Gewissheit aufgefangen zu werden, wenn irgendetwas passiert. Das ist das Grundproblem. Und dann werden sie tendenziell zu risikofreudig.</p>
<p><strong>Die Zentralbanken verhandeln Basel III. War nicht schon Basel II ein Schuss in den Ofen?<br />
</strong>Gerade durch Basel II kam sehr viel Unsinn in die Bankbilanzen. Mit einer Verschleierungstaktik der Eigenmittel wurde mehr Unklarheit als Klarheit geschaffen. Banken haben begonnen Kredite zu verkaufen und dafür vermeintliche Triple-A-Wertpapiere in die Bilanz eingestellt, die aber nur Schrott waren. Basel II ist somit ein Mitverursacher der Krise. Es ist daher völlig erstaunlich, von Basel III die Lösung der Probleme zu erwarten.</p>
<p><strong>Ist der Euro noch zu retten?<br />
</strong>Eine gute Frage. Die Antwort ist eher ja, angesichts des überbordenden Chaos das entstehen würde, wenn er unterginge. Wenn wir ihn irgendwie aufgeben, was wären die damit verbundenen Kosten? Ein Riesenfragezeichen. Aber wir sollten Insolvenz und Illiquidität auseinander halten. Denn wenn wir ein Insolvenzproblem mit Geldspritzen lösen wollen, dann schmeißen wir gutes Geld schlechtem nach.</p>
<p><strong>Sie sprechen Griechenland an. Ist theoretisch auch in Österreich der Staatsbankrott möglich? Bankenskandale hätten wir ja genug.<br />
</strong>Der Unterschied zwischen Österreich und Griechenland ist gewaltig, wenn auch nur graduell und nicht prinzipiell. Wir sprechen immer von Staatsschulden aber nie vom Staatsvermögen. Österreich bräuchte, provokativ gesagt, bloß eine Inventarliste erstellen – von Schloss Schönbrunn bis zu den Bundesforsten. Wenn man das anständig bewertet, wäre unsere Verschuldensquote relativ gering.</p>
<p><strong>Die EU pumpt 110 Mrd. Euro in Griechenland. Geht sich das aus?<br />
</strong>Dann müsste Griechenland in drei Jahren wieder so weit sein, zu vertretbaren Konditionen selbst wieder Kredite am Kapitalmarkt aufnehmen zu können. Doch es geht nicht darum, dass Griechenland seine Staatschulden zurückzahlt sondern nur bedient. Vielleicht schaffen sie es. Ich glaube es nicht.</p>
<p><strong>Wenn sie das jetzt schon wissen, dann müssten wir ja sofort unseren Finanzminister zurückpfeifen.<br />
</strong>Das haben ja die Slowaken eh getan. Ein kleines europäisches Land. Die haben da nicht mitgemacht. Können Sie sich den kleinen französischen Nachfolge-Napoleon vorstellen, wie hoch der gehüpft ist?</p>
<p><strong>Ist es begrüßenswert, wenn die G-20 Staaten eine globale Finanzmarktaufsicht fordern?<br />
</strong>Ich glaube nicht, dass man durch Aufsicht und Regulierung die bösen Buben im Zaum halten kann.  Wo sind denn die tollen Prüfberichte, die die Missstände der Hypo-Alpe-Adria aufgedeckt haben? In irgendwelchen Schubladen der FMA und im Finanzministerium? Wie kann man angesichts dieser Umstände glauben, Regulierung und Aufsicht wären die Lösung? Quis custodit custodes – wer bewacht die Wächter?</p>
<p><strong>Kommt in Europa die Hyperinflation?<br />
</strong>Einen Teil des Problems mit Inflationierung zu beheben, das wären an sich die geringsten Kosten. Wenn wir über fünf Jahre in Summe 30 Prozent Inflation haben, dann gehen wir alle nicht unter und die Dinge kämen wieder ins Lot. Das Problem dabei: Once the genius is out of the bottle you won’t get it back in.</p>
<p><strong>Ist es zutreffend, wenn man der Krise positive Aspekte abgewinnen will, sie als Bereinigung der Märkte zu betrachten?<br />
</strong>Ich ziehe als Gegenvergleich immer eine Naturkatastrophe oder einen Bombentreffer heran, wo hunderte Häuser zerstört werden. Das ist ja bei einer Finanzkrise nicht der Fall. Unsere Produktivität und Vermögenswerte sind noch immer da. Es sind lediglich die Ansprüche eingebrochen, die in Form von monetären Werten daran gestellt wurden, und die gilt es zu bereinigen.</p>
<p><strong>Der Euro wird attackiert. Wie kann es sein, dass eine Handvoll Hedge-Funds-Manager in New York bei einem gemeinsamen Abendessen Wetten auf den Niedergang des Euro abschließen?<br />
</strong>Steht es um ein Land schlecht, wird dagegen spekuliert. Aber da muss es erst einmal schlecht da stehen, wenngleich es Verstärkungseffekte gibt, und ich die Finanzmärkte nicht in Schutz nehmen will. Es sollte für diese Wetten, wenn das rationale Akteure sind, hinreichende Begründungen geben, die sich in Misswirtschaften öffentlicher Haushalte wiederfinden.</p>
<p><strong>Zur Person:</strong><em><br />
Prof. Mag. Dr. Ferry Stocker ist Fachbereichsleiter für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Wiener Neustadt und Autor zahlreicher Fachbücher.  In seinem brandaktuellen Buch „Zahltag“ erklärt er, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise durch Missachtung einfachster, ökonomischer Grundprinzipien entstanden ist.</em></p>
<p><em><br />
</em></p>
<p><em><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/12/cover-silver-261.jpg"><img title="Cover-Silver-26" src="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/12/cover-silver-261.jpg?w=114&#038;h=150&#038;h=150" alt="" width="114" height="150" /></a><br />
</em></p>
<p>Erschienen im IT-Magazin SILVER Nr. 26 zum Thema „Geld“,<br />
Jänner 2011</p>
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		<title>Banknoten-Falsifikate</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Jan 2011 09:10:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jimmy Deix</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>

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		<description><![CDATA[JIMMY DEIX über die älteste virtuelle Realität der Welt und den Schein des Geldes. Schon mal einen unechten Euro in Händen gehalten? Einen, der unter der Prüflampe nicht ultraviolett leuchtet? Die Wahrscheinlichkeit, eine „Blüte“ untergejubelt zu bekommen, ist gar nicht gering. Im Sinne von Angebot und Nachfrage wird Europa nicht nur mit falschen Zigaretten überschwemmt. [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jimmydeix.wordpress.com&amp;blog=2696686&amp;post=358&amp;subd=jimmydeix&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/12/warholdollars_300.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-359" title="200 One Dollar Bills" src="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/12/warholdollars_300.jpg?w=700" alt=""   /></a></p>
<p>JIMMY DEIX <strong>über die älteste virtuelle Realität der Welt und <strong>den Schein des Geldes</strong>.</strong></p>
<p>Schon mal einen unechten Euro in Händen gehalten? Einen, der unter der Prüflampe nicht ultraviolett leuchtet? Die Wahrscheinlichkeit, eine „Blüte“ untergejubelt zu bekommen, ist gar nicht gering. Im Sinne von Angebot und Nachfrage wird Europa nicht nur mit falschen Zigaretten überschwemmt. Die Shredder der EZB laufen auf Hochtouren.<br />
Wenn auch Sie in ihrem Portemonnaie Konfiszierbarkeiten haben, so ist das kein Grund für moralische Bedenken, denn Sie befinden sich in bester Gesellschaft. 1962 bereicherte Andy Warhol mit seinem Frühwerk <em>200 One Dollar Bills</em> die Welt. Das Bild ist nichts weiter als die Reproduktion von 200 Banknoten zu je einem Dollar – im Siebdruckverfahren. Genau genommen eine Straftat, denn das Fälschen oder Nachmachen von Banknoten ist bekanntlich streng verboten. Ironischerweise übersteigt der Sammlerwert des Bildes heute den abgebildeten Betrag um ein Hunderttausendfaches. <em>200 One Dollar Bills</em> wurde 2009 bei Sotheby’s New York um 43,8 Mio. Dollar versteigert. Sie denken, das gehe nicht mit rechten Dingen zu? Nun, echt sind die abgebildeten Geldscheine jedenfalls nicht.</p>
<p>Falsch oder zumindest artifiziell ist hingegen auch der echte Dollar, wenn auch überaus real. Vor 40 Jahren wurde er kurzerhand vom Goldstandard entkoppelt. Die Geldmengensteuerung der globalen Leitwährung wird seither von Zinspolitik und Kreditmärkten bestimmt, nicht aber durch Deckung mit Gold. Und damit ist der Dollar in seiner gegenwärtigen Form verfassungswidrig. In Artikel 1, Paragraph 10 der US Constitution steht festgehalten: „Kein Staat … darf etwas anderes als Gold- oder Silbermünzen zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklären.“ Geld als solches war der Papierdollar demnach nie. Die „Greenbacks“ waren immer nur Zertifikate, die in jedem Bankinstitut gegen echte Silbermünzen getauscht werden konnten. Der Vermerk „Payable to the bearer on demand“ wurde erst 1971 unter Präsident Richard Nixon von den Scheinen entfernt. Der Wahnwitz dabei: 40 Prozent des Welthandels werden in Dollar fakturiert, obwohl dieser keine rechtliche Grundlage besitzt. Experten sehen darin nicht nur den Ursprung der Globalisierung, sondern auch den eigentlichen Auslöser der aktuellen Finanzkrise.<br />
Geld ist die älteste virtuelle Realität der Welt. Ein Glaubenssystem, das zunehmend hinterfragt wird. Ob die Bezeichnung „Schein“ für Banknote damit einhergeht, sei getrost den Sprachforschern überlassen. Man kann es drehen und wenden, wie man will. Zurück bleibt die Moral: <em>Es ist nicht schlecht, es ist nicht schlecht, zwar nur Papier, aber es ist echt.</em></p>
<p><em><br />
</em></p>
<p><em><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/12/cover-silver-261.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-361" title="Cover-Silver-26" src="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/12/cover-silver-261.jpg?w=114&#038;h=150" alt="" width="114" height="150" /></a><br />
</em></p>
<p>Erschienen im IT-Magazin SILVER Nr. 26 zum Thema „Geld“,<br />
Jänner 2011</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jimmydeix.wordpress.com/358/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jimmydeix.wordpress.com/358/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jimmydeix.wordpress.com/358/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jimmydeix.wordpress.com/358/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jimmydeix.wordpress.com/358/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jimmydeix.wordpress.com/358/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jimmydeix.wordpress.com/358/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jimmydeix.wordpress.com/358/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jimmydeix.wordpress.com/358/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jimmydeix.wordpress.com/358/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jimmydeix.wordpress.com/358/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jimmydeix.wordpress.com/358/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jimmydeix.wordpress.com/358/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jimmydeix.wordpress.com/358/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jimmydeix.wordpress.com&amp;blog=2696686&amp;post=358&amp;subd=jimmydeix&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Im iPad zu Hause</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Nov 2010 21:47:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jimmy Deix</dc:creator>
				<category><![CDATA[//// REPORTAGEN]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Future Evolution House]]></category>
		<category><![CDATA[Haustechnik]]></category>
		<category><![CDATA[iPad]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Horx]]></category>
		<category><![CDATA[Oona Strathern]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunftshaus]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Trendforscher Matthias Horx hat in Wien ein Zukunftshaus errichtet, das wie ein Tablet-Computer aussieht – und es funktioniert sogar so ähnlich. So smart war intelligente Haustechnik noch nie. von JIMMY DEIX   Fotos PHILIPP KREIDL Wenn Matthias Horx morgens aufwacht, fühlt er sich wie der Kommandeur eines Raumschiffs. Atemberaubend ist der Ausblick auf die Morgenröte, die [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jimmydeix.wordpress.com&amp;blog=2696686&amp;post=374&amp;subd=jimmydeix&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/11/zukunftshaus_horx_adobergb_lowres_philipp_kreidl_100923_ds_7965.jpg"></a></strong></p>
<p><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/11/zukunftshaus_horx_adobergb_lowres_philipp_kreidl_100923_ds_7910.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-388" title="Zukunftshaus_Horx_AdobeRGB_lowres_Philipp_Kreidl_100923_DS_7910" src="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/11/zukunftshaus_horx_adobergb_lowres_philipp_kreidl_100923_ds_7910.jpg?w=700" alt="Zukunftshaus"   /></a></p>
<p><strong>Der Trendforscher Matthias Horx hat in Wien ein Zukunftshaus  errichtet, das wie ein Tablet-Computer aussieht – und es  funktioniert sogar so ähnlich. So smart war intelligente Haustechnik noch nie.</strong></p>
<p>von JIMMY DEIX   Fotos PHILIPP KREIDL</p>
<p>Wenn Matthias Horx morgens aufwacht, fühlt er sich wie der Kommandeur eines Raumschiffs. Atemberaubend ist der Ausblick auf die Morgenröte, die durch riesige Panoramafenster in sein Schlafzimmer dringt. Das „Future Evolution House“ am westlichen Wiener Stadtrand ist tatsächlich wie ein teleskopischer Ausguck, auch hinsichtlich zukünftiger Wohnformen, die schon heute möglich sind. Visionär Horx hat eine private Utopie realisiert und seine Erkenntnisse als Trend- und Zukunftsforscher in einem Bauwerk manifestiert, das vorwegnehmen soll, wie die Menschen in Zukunft leben werden. Der optimistische Bungalow, bar jeder Zukunftsangst, ist seit wenigen Monaten der neue Lebensmittelpunkt seiner vierköpfigen Familie. Ehefrau Oona Strathern steht bereits in der Küche und nimmt mit ihrem neuen Hausfreund vorlieb, genannt „Quooker“. Ein Wasserhahn, aus dem bei Bedarf kochendes Wasser sprudelt. Strathern ist Britin und daher professionelle Teetrinkerin. Simpel, aber genial. Der Speicher fasst drei Liter und ist energiesparend, da bestens isoliert. Auch Spaghetti gehen mit dem Wunderding superflott. Wenig später betritt Matthias Horx im schicken Designeranzug und mit seiner Lieblingsmusik im iPad den Knotenpunkt des Hauses – „The Hub“, der Ort der Zusammenkunft, mit offener Küche und einer Lounge mit Kamin. Die bequeme Couch ist von zwei schwarzen Trümmern flankiert, die wie umgestülpte Tröten aussehen. Es sind die kabellosen Stereo-Lautsprecher „Parrot“ von Philippe Starck, die Musik via W-LAN empfangen und verstärken können. Horx fummelt am Touchscreen seines iPads rum, im Audio-Menü. Minutenlang kein Pieps. „Das muss doch …“, murmelt er. Plötzlich donnern Beats durch den Raum, in Brachiallautstärke. Aus den Gladiolen pudert Blütenstaub. „Ahhh!“, ruft Horx, sichtlich zufrieden. „So geht das!“ Wenn seine Söhne Tristan und Julian allein zu Hause sind, läuft hier Drum &amp; Bass …</p>
<p><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/11/zukunftshaus_horx_adobergb_lowres_philipp_kreidl_100923_ds_79652.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-386" title="Zukunftshaus_Horx_AdobeRGB_lowres_Philipp_Kreidl_100923_DS_7965" src="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/11/zukunftshaus_horx_adobergb_lowres_philipp_kreidl_100923_ds_79652.jpg?w=300&#038;h=200" alt="Zukunftshaus" width="300" height="200" /></a>Wohnen ohne Schnörkel unter Zuhilfenahme einer smarten Bedien- und Steuerungstechnik, die den sinnlichen Bedürfnissen moderner Menschen entspricht, war das erklärte Ziel der Horx-Family. Unter Einbeziehung neuer Design- und Materialkonzepte im Bereich der Innenarchitektur wie auch eines ausgeklügelten Energiekonzepts. Angst vor der nächsten Stromabrechnung haben die Bewohner keine. Das Haus produziert bis zu 80 Prozent seines Energieaufwandes selbst, dank der Sonnenkollektoren an den Außenwänden. Über das Online-Portal von Vaillant kann Horx allerorts den Energiestatus seines Brauchwasserspeichers abrufen, selbst wenn er auf Reisen ist. Das trifft sich gut. Als gefragter Fachmann für Zukunftsthemen hält Horx Vorträge in aller Welt und ist ständig auf Achse. Sogar das Elektroauto „Think“ kann in der Garage hauseigenen Strom „tanken“. Die Horx haben das niedliche Gefährt bereits als neues „Haustier“ liebgewonnen. Die perfekte Symbiose aus moderner Technik und behaglicher Ästhetik zu finden, ist ein ständiger Balanceakt. Der gesamte Wohnbereich ist mit massiven Dielen aus weißem Douglasienholz ausgelegt, vom dänischen Hersteller Dinesen. Eifrig flitzt der philippnische Haushälter Erno mit einem Staubsauger von Dyson darüber. Steigt der Energieaufwand im Zukunftshaus, beginnen im Hausgang die leuchtenden Wände rot zu pochen. Der Heizraum im Souterrain hat hingegen einen Bodenbelag aus knallgelbem Kunstharz. „Das soll an die Sonne erinnern“, deutet Oona Strathern. Im Wirtschaftsraum rattert sanft eine Allwater-Waschmaschine von Miele, die warmes Solarwasser vom Hausdach nutzt. „Immer wenn die Sonne scheint, müssen wir schnell Wäsche waschen“, scherzt Strathern.</p>
<p><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/11/zukunftshaus_horx_adobergb_lowres_philipp_kreidl_100923_ds_8300.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-390" title="Zukunftshaus_Horx_AdobeRGB_lowres_Philipp_Kreidl_100923_DS_8300" src="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/11/zukunftshaus_horx_adobergb_lowres_philipp_kreidl_100923_ds_8300.jpg?w=300&#038;h=200" alt="Zukunftshaus" width="300" height="200" /></a>Sich zu fragen, was die Zukunft bringen wird, liegt in der Natur des Menschen. Bei den Horx’ hat diese gerade eben begonnen. Soziokulturelle Aspekte waren für den Bau jedoch weit entscheidender als der spielerische Umgang mit praktischer Wohn-Automatisierung. Diese kann nämlich auch entmündigend sein: „Ich will nicht, dass mein Kühlschrank die Weinflasche automatisch nachbestellt, die ich eben ausgetrunken habe“, so Horx. „Ich will, dass mein Kühlschrank so dumm bleibt, wie er ist.“ Von beherrschender Technik, die maskulinen Allmachtsfantasien entsprungen zu sein scheint, hält Horx nämlich nicht viel: „Technologie muss smart sein und nicht kontrollintensiv.“ Weit entscheidender waren in der Planung die Verhaltensweisen einer modernen Familie, die noch dazu aus ausgeprägten Individualisten besteht. Das fand etwa in der Unterteilung des Grundrisses seinen Niederschlag. Alle Räume sind wie Schleusen modulierbar und können von den Bewohnern unmittelbar zwischen Offenheit und Rückzug variiert werden. Ansätze wie diese brechen bewusst mit der Grundstruktur von Wohnräumen, die wir aus dem Industriezeitalter kennen und die stark von den Geschlechterrollen bestimmt waren. Die Vorstellung, dass die Frau in die Küche gehört, den Eltern das Schlafzimmer zusteht und im Wohnzimmer ein Fernseher protzt wie ein Altar, ist für Horx allemal passé. „Eine Frau hat mitunter völlig andere Anforderungen an ein Bad als ein Mann und wer sagt denn, dass ein Bad nicht auch Wohnraum sein kann?“, hinterfragt Horx.</p>
<p>Architektonisch ist das Zukunftshaus stark vom Bauhaus und den kalifornischen Flachdachbungalows der 60er-Jahre inspiriert. Großzügige Schiebeglaswände Richtung Süden leiten barrierefrei in den Garten über, mit selbst regenerierendem Biotop, das auch als Swimmingpool benützt werden kann. Am Hang hat Familie Horx seltene Obstbäume gepflanzt. Das Gartenkonzept „Urban Gardening“ entspricht dabei den Bedürfnissen mobiler Menschen, die viel im Ausland unterwegs sind. In Zeiten wie diesen bewässert sich der Garten selbst. Üppiges Grün mäht Horx jedoch eigenhändig mit dem Handrasenmäher, ganz unautomatisch, nämlich im Sinne einer „Analogität zur Körperlichkeit“, wie Horx es nennt, und nicht mit „Routine herstellenden Prothesen“, also einem Mähroboter. Denn auch ein Zukunftsforscher geht mal offline. Schließlich soll der Garten als Ausgleich dienen zu stark fordernder geistiger Arbeit, die Horx berufsbedingt verrichtet, nicht selten am Schreibtisch im ausgelagerten Bürotrakt, auf dem außen die Aufschrift „Work“ prangt. Zur Inspiration stehen dort am Fenster kleine Roboter-Figuren. Horx’ liebste Sammlung. Frau Oona bringt ihm von jeder Auslandsreise eine mit. Die Denk-Zentrale ist zugleich Bibliothek und Heimkinosaal. Und wenn mal die Glasfenster mit den blickdichten Vorhängen von Backhausen abgedunkelt sind – die mit den computergenerierten Stoffentwürfen von Peter Kogler –, dann kann es durchaus sein, dass Horx gerade bei Kubricks „Odyssee im Weltraum“ abspannt.</p>
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<p><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/11/coverdeutschland_01.jpg"></a><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/11/coverdeutschland_011.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-394" title="Home_11_2010" src="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/11/coverdeutschland_011.jpg?w=112&#038;h=150" alt="" width="112" height="150" /></a></p>
<p>© JIMMY DEIX – Erschienen im Wohn-Magazin H.O.M.E., November 2010</p>
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		<title>Kreisverkehr</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Oct 2010 13:18:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jimmy Deix</dc:creator>
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		<description><![CDATA[JIMMY DEIX über Rechtsabbieger mit Linksdrall und die schönsten Roundabouts in Wien und Umgebung. Ein Kreisverkehr ist eine runde Sache und bringt Abwechslung in den Alltagsverkehr, allein schon wegen der quietschenden Reifen. Es ist ein Platz, an dem einem alle Wege offen stehen, und doch ist es ein Ort der Tristesse. Das liegt mitunter an [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jimmydeix.wordpress.com&amp;blog=2696686&amp;post=348&amp;subd=jimmydeix&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
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<p>JIMMY DEIX<strong> über Rechtsabbieger mit Linksdrall und die schönsten Roundabouts in Wien und Umgebung.</strong></p>
<p>Ein Kreisverkehr ist eine runde Sache und bringt Abwechslung in den Alltagsverkehr, allein schon wegen der quietschenden Reifen. Es ist ein Platz, an dem einem alle Wege offen stehen, und doch ist es ein Ort der Tristesse. Das liegt mitunter an der Idee, die nicht überfahrbare Mittelinsel kreativ zu gestalten – die Rede ist von der gefürchteten „Kunst im Kreisverkehr“.</p>
<p>Sinnlose Anhäufungen von Felsblöcken oder schrottreife Skulpturen sollen jede Autofahrt als Kulturerlebnis erfahrbar machen. „Behübschungen“ an Ortseinfahrten dienen als Blickfang für Regionalwerbung, mit freundlichen Willkommensgrüßen und kunterbunten Blumenarrangements. In Bad Gleichenberg betrachtet man den umfahrbaren Springbrunnen gar schon als neues Wahrzeichen der Kurstadt. Kläglich gescheiterte Gestaltungsversuche wurden hingegen vielfach vom Feuilleton geprügelt. Mit Recht. Denn die Kultur dreht langsam durch. Sie wird heute von Bauingenieuren, Gemeinderäten und Straßenwalzen dominiert, die für sie den Rahmen schaffen.</p>
<p>Jetzt geht es um Dinge, die wichtig sind. Sicherheit lautet das große Argument, das die Rundbauwut vorantreibt. Die positive Unfallstatistik kaschiert aber, dass nicht selten schmierige Kick-back-Deals zwischen den Gemeinden und der Asphaltmafia dahinterstecken, zwecks „Auslastung des Bauvolumens“. Denn wäre an der California State Route 41 nahe Cholame statt der Kreuzung schon 1955 ein Kreisverkehr gewesen, würde James Dean dann heute noch Filme drehen?! Man stelle sich bloß vor: Sogar Falco wäre noch am Leben!!!<br />
Doch manchmal eckt es auch im Kreisel: In Engelmannsbrunn wurde einer Autofahrerin ebenda ein Kunstwerk zum Verhängnis. Sie hielt das graue Betonobjekt in der Mitte für eine fortführende Rampe, die sich dann als „Sprungschanze“ herausstellte. Motorblock kaputt. Was die flachgelegte Betonplatte auf der Mittelinsel verloren hat? Na, Kunst eben. Verstehen Sie nichts davon? Gestalten mit Asphalt. Die Bergungsleute der FF Grafenwörth lachen noch heute über diesen Vorfall.</p>
<p>Dass Objektkunst auf der Straße nicht zwangsläufig in eine Blamage führen muss, veranschaulicht der älteste Kreisverkehr Europas. Die Place d’Étoile in Paris ist seit 1906 der Prototyp aller Roundabouts und bietet kreisenden Lenkern den Arc de Triomphe als Attraktion, mit seinen fantastischen Reliefs, die von hoher kunsthistorischer Bedeutung sind. Man kann Napoleon gewiss einiges nachsagen, aber ein Kleinhäusler war er sicher nicht. In seinem Schlafzimmer hing die Mona Lisa – bei kunstsinnigen Gemeinderäten hängt dort bestenfalls die Dina Larot. Da nützt auch der „Fontainebleau“ an der Ortseinfahrt nichts. Eine bittere, aber durchaus gerechte Erkenntnis.</p>
<p><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/10/silver-25.gif"><img class="alignnone size-full wp-image-354" title="Silver-25" src="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/10/silver-25.gif?w=700" alt=""   /></a></p>
<p><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/10/silver-25.gif"></a>© JIMMY DEIX – Erschienen im IT-Magazin SILVER Nr. 25 zum Thema „Verkehr“,<br />
Oktober 2010</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/jimmydeix.wordpress.com/348/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/jimmydeix.wordpress.com/348/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/jimmydeix.wordpress.com/348/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/jimmydeix.wordpress.com/348/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/jimmydeix.wordpress.com/348/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/jimmydeix.wordpress.com/348/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/jimmydeix.wordpress.com/348/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/jimmydeix.wordpress.com/348/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/jimmydeix.wordpress.com/348/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/jimmydeix.wordpress.com/348/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/jimmydeix.wordpress.com/348/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/jimmydeix.wordpress.com/348/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/jimmydeix.wordpress.com/348/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/jimmydeix.wordpress.com/348/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jimmydeix.wordpress.com&amp;blog=2696686&amp;post=348&amp;subd=jimmydeix&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Fahr mit nach Utopia</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Oct 2010 08:57:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jimmy Deix</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In Zukunft wird es keine Autounfälle mehr geben, keine Zugverspätungen, keine Staus auf den Straßen, und der Stadtverkehr wird sauber. Mit dem Ausbau einer intelligenten Infrastruktur will die EU alle Verkehrsprobleme lösen und für überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum sorgen. Die individuelle Mobilität wird dadurch zum Politikum. Und das nicht ohne Grund. von JIMMY DEIX Wer vor der [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=jimmydeix.wordpress.com&amp;blog=2696686&amp;post=456&amp;subd=jimmydeix&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/10/verkehrstelematik_copyright_andreas-balon.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-583" title="Verkehrstelematik_Copyright_Andreas Balon" src="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/10/verkehrstelematik_copyright_andreas-balon.jpg?w=300&#038;h=210" alt="" width="300" height="210" /></a></h3>
<h3><span style="font-size:13px;font-weight:normal;"><strong>In Zukunft wird es keine Autounfälle mehr geben, keine Zugverspätungen, keine Staus auf den Straßen, und der Stadtverkehr wird sauber. Mit dem Ausbau einer intelligenten Infrastruktur will die EU alle Verkehrsprobleme lösen und für überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum sorgen. Die individuelle Mobilität wird dadurch zum Politikum. Und das nicht ohne Grund.</strong></span></h3>
<p>von JIMMY DEIX</p>
<p>Wer vor der Erfindung des GPS das Wagnis erprobte mit dem Auto das Stadtzentrum von Mailand zu erreichen, wird festgestellt haben: eine Punktlandung auf dem Mond ist einfacher. Zwar ist an jeder Kreuzung der Hinweis „Centro“ beschildert, man findet es dennoch nicht. Schlussendlich gelangt man zu der Erkenntnis: Mailand hat gar kein Stadtzentrum. Nicht im eigentlichen Sinn. Die Stadt ist vielmehr ein Konglomerat aus zersiedelten Vororten. Seit es aber elektronische Navigationssysteme und Routenplaner gibt, ist das alles kein Problem mehr, und man erreicht mühelos die Scala und den Mailänder Dom. Und das, ohne sich überlegen zu müssen, wo man überhaupt hinfährt.</p>
<p><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/10/verkehrstelematik3_copyright_andreas-balon.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-584" title="Verkehrstelematik3_Copyright_Andreas Balon" src="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/10/verkehrstelematik3_copyright_andreas-balon.jpg?w=700" alt=""   /></a>Die Erfolgsgeschichte von GPS (Global Positioning System) ist jedoch nur die Spitze des Eisberges an Entwicklungen, die in den nächsten Jahren unser mobiles Leben massiv beeinflussen werden. Dahinter steckt ein Aktionsplan der EU, der den lückenlosen Ausbau einer intelligenten Infrastruktur vorsieht, die das Verkehrswesen auf jeder Ebene revolutionieren soll. Frei nach dem Motto: Kommt erst der Verkehr in Schwung, zieht auch die Wirtschaft wieder an. Das verspricht jedenfalls eine stetig wachsende Schar an Experten auf dem Gebiet der Verkehrstelematik. Darunter ist jede Form der elektronischen Steuerung von Verkehr zu verstehen, die auf datenbasierter Telekommunikation beruht. Forschungsgruppen und Unternehmensberater zum Thema schießen wie Verkehrstafeln aus dem Boden. Zum Teil auch nur um eine Wissensbasis zu schaffen, die sich schon in den nächsten Jahren in einem Hi-Tech-Boom von bislang ungeahntem Ausmaß erschließen soll. Dann werden sensorische Erkennungs- und Trackingmethoden Geschwindigkeiten messen und dadurch Staus verhindern; digitale Park&amp;Ride-Informationssysteme werden die Parkplatzsuche erleichtern, und sogar Ampeln springen auf Grün, wenn man sich einer Kreuzung nähert. Einige dieser intelligenten Technologien gibt es bereits, vieles ist noch Vision, die nun verwirklicht wird. Die staatliche ASFINAG will den Telematik-Ausbau auf Autobahnen und Schnellstraßen bereits 2013 abgeschlossen haben. Autofahren soll demnach einfach werden wie Rolltreppe fahren – und vor allem sicher, sauber, energieeffizient und umweltfreundlich.</p>
<p><strong>SIE BEFINDEN SICH HIER<br />
</strong>Sichtbar nützlich im Einsatz ist die Verkehrstelematik schon heute. Etwa bei der „Dynamischen Fahrgastinformation“ (DFI) auf Displays in Stationen öffentlicher Verkehrsmittel, welche die Minuten bis zur Ankunft der nächsten Straßen- oder U-Bahn ankünden. Weniger erfreulich für den Bürger ist die Anwendung der neuen Technik bei der Parkraumbewirtschaftung, die für Gemeinden durchaus einträglich ist. Ganze Hauptplätze werden mittlerweile umasphaltiert, um Platz für neue Parkometer-Konzepte zu schaffen. Es geht um ökonomische Nutzbarmachung der freien Verkehrsflächen, zum Gemeinwohl von uns allen.</p>
<p>„Der Einsatz von Verkehrstelematik wird organisatorische Strukturen bei den Verkehrs- und Infrastrukturbetreibern zur Folge haben und die Tür zu neuen Dienstleistungsangeboten in vielen Bereichen öffnen“, erklärt Reinhard Pfliegl, Geschäftsführer bei AustriaTech, der Gesellschaft des Bundes für technologische Maßnahmen. Intelligent Transport Systems (ITS) – so der international gebräuchliche Überbegriff für die Verkehrstelematik – ist zum Liebkind der politischen Fördergeber geworden. Jährlich werden in Österreich 7 bis 8 Millionen Euro an entsprechende Projekte vergeben.<br />
Der Verkehrstechnologiesektor ist eine „Schlüsselbranche in Österreich“, erklärt Verkehrsministerin Doris Bures. Der Grund für den neuen Technikoptimismus: Experten sprechen der Verkehrstelematik in Europa ein Marktvolumen von 100 Mrd. Euro zu. ITS ist somit die Einlösung des Versprechens, die Weltwirtschaft am Rande des Erdölzeitalters durch Investitionen in grüne Alternativen zu retten. Hierfür ist jedoch eine teure aufwändige Verwaltung erforderlich. Deren Verankerung in der Verkehrspolitik scheint notwendig. Zwar werden große Teilbereiche mittels Public Private Partnership ausgegliedert, doch die zentrale Abrechnung obliegt dem Staat. Von Seiten des deutschen Bundesverkehrsministeriums wurde bereits beeidet, dass die Telematik im Zuge einer Verteuerungsstrategie nicht bloß zu einem elektronischen Inkasso-Instrument des Fiskus mutieren darf. In Österreich ist diese Deklarierung seitens der Politik noch ausständig. Wo einst Zölle abgeschafft wurden, macht sich nun eine Maut-Industrie breit.</p>
<p><strong>DER TELEMATIK-TRICK<br />
</strong>In seinem Buch „Der Telematik-Trick“ will der engagierte Ökologieforscher Wolfgang Zängl aus München den neuen Techno-Hype als bloßes Milliardengeschäft entlarven: „Die Telematiksysteme beabsichtigen nicht das Verkehrsaufkommen zu reduzieren“, so der Kritiker. „Sie sind die teuerste, aufwändigste und überflüssigste Sackgasse in neue Staus“. Verkehrs- und Umweltprobleme würden dadurch nur verschärft werden, weil die optimale Ausnutzung des Straßennetzes das Verkehrsaufkommen und den Benzinverbrauch mit Sicherheit erhöhen würde. Den Verkehr auf Schiene zu bringen, davon könne keine Rede sein.</p>
<p><a href="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/10/verkehrstelematik2_copyright_andreas-balon.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-585" title="Verkehrstelematik2_Copyright_Andreas Balon" src="http://jimmydeix.files.wordpress.com/2010/10/verkehrstelematik2_copyright_andreas-balon.jpg?w=700" alt=""   /></a>Doch keine Innovation ohne Begeisterung. 2012 wird in Wien der ITS-Weltkongress stattfinden, unter Mitwirkung der ATTC (Austrian Traffic Telematic Cluster), einem Zusammenschluss namhafter Unternehmen aus Forschung, Wirtschaft und Industrie. Mit an Bord sind etwa die Industriellenvereinigung, Siemens, ÖBB und das Kuratorium für Verkehrssicherheit. Technologien sollen miteinander verknüpft werden, um daraus neue Produkte zu entwickeln. Ihre technische Machbarkeit und Marktfähigkeit soll nachgewiesen werden, der Nutzen soll transparent bleiben.</p>
<p>„Mobilität wird zur Servicedienstleistung am Bürger“, verspricht Brigitte Ederer, seit Frühjahr 2010 Europachefin von Siemens. Von der Idee, sich selbst steuernde Autos zu produzieren, ist der Konzern jedoch wieder abgekommen. Es gibt andere Möglichkeiten, die neue Technik sinnvoll umzusetzen und Mobilität zu „verkaufen“: Road-Pricing, e-Ticketing, Transport- und Flottenmanagement, Car2Car Communication, Highway Monitoring (Hi-Moni), WirelessCar … die Verkehrstelematik boomt. Als junges und interdisziplinäres Thema hat sie viele Fantasienamen und Abkürzungen hervorgebracht, die nur von wenigen verstanden werden und sogar von Fachleuten oft nicht erklärt werden können. Der Schweizer ITS-Verband hat aus diesem Grund eine Wortfibel zur Erläuterung der Fachbegriffe herausgegeben. Sie ist auch an Politiker gerichtet, um deren Entscheidungsprozesse zu erleichtern.</p>
<p>Anfang 2010 hat die EU-Kommission 14 Satelliten bestellt. Grund für die Anschaffung um 566 Mio. Euro ist das ambitionierte EU-Satellitenprogramm „Galileo“. Die alleinige Vorherrschaft des amerikanischen Navigationssystems GPS soll damit ausgebremst werden. Immerhin dient dieses auf einer anderen Frequenz auch der Aufspürung von Raketen im Ausland. Da die Verkehrstelematik aber weltweit vorangetrieben wird – in China ebenso wie in Afrika –, ist sie vielleicht der erste globale Wirtschaftsplan überhaupt auf elektronischem Wege.</p>
<p>Mathematisch betrachtet kann die Verkehrstelematik nie von fixen Größen ausgehen. Sie muss mit Werten rechnen, die sich in permanenter Veränderung befinden. Das fordert zum einen riesige Rechnerpotenziale und stellt höchste Anforderungen an eine Koordinationstauglichkeit aller Systeme, die fehlerfrei arbeiten müssen. In seiner Gesamtheit betrachtet, kommt der Aktionsplan der EU der Bildung eines informationstechnologischen Hyperraums gleich.</p>
<p>Die Ausgestaltung der öffentlichen Verkehrswege durch leitende Systeme liegt durchaus im Wesen der Sache. Die Direktive von Verkehr ist im Prinzip so alt wie die Fortbewegung an sich, da Verkehr immer innerhalb eines Systems stattfindet. Ohne die Entstehung des Straßenbaus und das damit verbundene Leitsystem durch die Landschaft würden wir heute noch immer über den sprichwörtlichen Acker fahren. Kritiker meinen jedoch, dass die neuen Verkehrsbeeinflussungsanlagen auch eine „Disziplinierung des fahrenden Individuums“ mit sich bringen würden. Telematik-Expertin Tanja Weber vom Konvergenzbüro Frührot spricht hingegen von einer „Freiheit des Einzelnen hin zu einer Freiheit der organisierten Bewegung“.<br />
Welche sozialpsychologischen Auswirkungen die Eingriffe per Fernwirken in die kognitive Fähigkeit der Orientierung mit sich bringen werden, ist heute noch nicht ganz abzuschätzen.</p>
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<p>© JIMMY DEIX – Erschienen im IT-Magazin SILVER Nr. 25 zum Thema „Verkehr“,<br />
Oktober 2010</p>
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